Sport : Quereinsteiger sucht Risiko

In Österreichs Kader hatte Fritz Dopfer keine Chance, er wechselte zum Deutschen Skiverband. Für den ist er inzwischen der lang ersehnte neue Hoffnungsträger im Riesenslalom.

von
Dynamischer als früher. Fritz Dopfer fährt im Riesenslalom mit mehr Rsisiko, das zahlt sich inzwischen aus. Foto: dpa
Dynamischer als früher. Fritz Dopfer fährt im Riesenslalom mit mehr Rsisiko, das zahlt sich inzwischen aus. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Es gab diese Tage, da stapfte Karlheinz Waibel durch den knirschenden Schnee, mit missmutiger Miene, steuerte auf Fritz Dopfer zu und machte mit ihm eine Kurzanalyse des Trainingslaufs. Es waren die Momente, in denen der Cheftrainer der deutschen Skirennfahrer unzufrieden war.

Dopfer hatte zu wenig Fehler gemacht.

Er sollte Fehler machen, das war der Kern des Trainings, das gehörte einfach dazu. Fritz Dopfer sollte den Riesenslalom-Kurs in immer engeren Linien fahren, mit mehr Dynamik, mehr Risiko, er sollte an die Grenze gehen. Dopfer kann sauber, fehlerfrei fahren, das wusste Waibel, das wusste auch sein ständiger Trainer Albert Doppelhofer, aber er musste ans Limit gehen, er musste herausfinden, wie weit er gehen kann, ohne einzufädeln. Nur so würde er im Rennen das größtmögliche Risiko eingehen können. Es ging um den nächsten Leistungsschritt. „Der Fritz ist ein guter Skifahrer“, hatte Waibel mal gesagt, „jetzt müssen wir noch einen guten Rennfahrer aus ihm machen.“ Das war 2009, Dopfer hatte im Riesenslalom in Sölden kurz zuvor sechs Sekunden Rückstand auf den Schnellsten; er schlich als 53. von der Piste.

Am Sonntag verkündete der deutsche Alpinchef Wolfgang Maier: „Sein Timing stimmt, die Technik stimmt.“ Er redete von Dopfer, er redete über den siebten Platz des 24-Jährigen beim Riesenslalom in Alta Badia. Dopfer war von Rang 19 noch vorn gefahren. Natürlich hatte er auch Glück; als er fuhr, war die Piste noch hart und die Sicht relativ gut.

Man hätte Platz sieben also auch als netten Ausreißer nach oben sehen können. Wenn man nur Alta Badia betrachtet. Und nicht auch noch Beaver Creek, USA, den Riesenslalom Anfang Dezember. Da hatte sich Dopfer auf Platz drei katapultiert, die beste Platzierung eines Deutschen im Riesenslalom seit 17 Jahren. Zwei Tage später landete er auf der- selben Strecke auf Platz sieben. Und Waibel sagte: „Er hat gezeigt, dass er mit der Weltspitze mithalten kann.“

Die Deutschen haben wieder einen Top-Ten-Fahrer im Riesenslalom, beachtlich. Riesenslalom Männer, das ist traditionell die Problemzone der deutschen Ski-Alpin-Abteilung. Dopfer ist selbstbewusster geworden, technisch besser, er kommt mit schwierigen Bedingungen klar. „Er hat sich in kleinen Schritten weiterentwickelt“, so sieht das Waibel.

Kleine Schritte, das ist mehr als eine kurze Bemerkung, das ist eine Botschaft: Dopfer ist ein Hoffnungsträger, mehr nicht. „Man sollte ihn jetzt nicht zu hoch schießen“, hatte Maier schon in Beaver Creek erklärt. Dopfer muss sich erst stabilisieren, schwierig genug.

Aber den Österreichern, denen hat er es jetzt schon gezeigt, ein bisschen wenigstens, das ist dem Fritz Dopfer vom SC Garmisch einiges wert. Bis 2007 hatte er zu ihnen gehört, zu den Österreichern. Er stand im österreichischen B-Kader, weil er nicht bloß einen deutschen Vater hat, sondern auch eine österreichische Mutter. Er wurde in Innsbruck geboren und wohnt in Leutschach, Tirol. Seine Eltern sind mit ihm dorthin gezogen, als der kleine Fritz zehn war. Die Mama hatte ihren Buben erst mal als Skitrainerin betreut, den weiteren Feinschliff erledigten die Trainer im Skigymnasium Stams.

Aber im B-Kader hatte Dopfer kaum Perspektiven, deshalb wechselte er zum Deutschen Skiverband (DSV). Passt schon, sagten die Österreicher, das wiederum machte einige Leute im DSV stutzig. Wenn die Österreicher einen klaglos ziehen lassen, dann kann’s mit dem ja nicht weit her sein. So weit die Denkweise. Genommen haben sie ihn natürlich trotzdem, sie brauchen jedes Talent.

Und bisher stand der Quereinsteiger ja auch im Schatten von Felix Neureuther. Der hat nicht bloß den prominenteren Namen, sondern auch die besseren Ergebnisse. Die beiden teilen sich das Zimmer, und ein wenig hat sich Dopfer jetzt aus dem Schatten des anderen herausgearbeitet. Neureuther war allerdings auch wegen einer Verletzung gehandicapt.

Gestern wurde der Schatten allerdings wieder eine Spur größer. Allerdings auch, weil in Alta Badia der Slalom stattfand, Neureuthers Spezialdisziplin. Neureuther belegte Platz drei – elf Plätze vor seinem Zimmergenossen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben