Sport : Quoten schießen keine Tore

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Michael Rosentritt über die Suche nach erfolgreichen Stürmern

Die hübschen Tage rund ums Länderspiel gegen Italien nutzten die Herren vom Deutschen FußballBund zum Nachdenken, auf dass sie bald noch hübschere, vor allem aber wieder erfolgreichere Tage erleben können. Die Herren hatten mit Erschrecken festgestellt, dass an den ersten beiden Bundesligaspieltagen nur 97 der 248 eingesetzten Spieler Deutsche waren. Deshalb dachten sie darüber nach, die Zahl der ausländischen Spieler in der Bundesliga zu reduzieren. Schnell mussten die Herren aber erkennen, dass das mit dem EU-Recht schwer zu vereinbaren ist. Nun sollen die Vereine also auf freiwilliger Basis mindestens fünf deutsche Spieler in jedem Punktspiel auf den Rasen schicken. So könnten sich die deutschen Talente besser entwickeln, Rudi Völler hätte wieder Alternativen und Deutschland einen, der nicht 100 Chancen braucht, um ein Tor zu schießen.

Der FC Bayern München hält nicht viel von diesem Projekt. Als der deutsche Rekordmeister im vergangenen Herbst schon in der Vorrunde der Champions League ausschied, kauften sie für 18 Millionen Euro Roy Makaay, jenen holländischen Stürmer, der sie fast im Alleingang aus dem Wettbewerb geschossen hatte. Makaays Tore (und die des Brasilianers Elber, des Peruaners Pizarro und des Paraguayers Santa Cruz) sollen die Bayern international wieder wettbewerbsfähig machen.

Deutsche Stürmer kaufen sie in München schon seit Jahren nicht mehr ein. Im Gegenteil. Jancker haben sie vor einem Jahr abgeschoben, und Zickler verbringt ohnehin mehr Zeit im Rehazentrum als im Strafraum. Da es auf dem Markt keinen deutschen Stürmer von angemessener Qualität gibt, die Bayern aber das Gros der WM-Mannschaft 2006 stellen wollen, decken sie sich auf anderen Positionen ein. Zuletzt kam Verteidiger Rau, davor waren es die Mittelfeldspieler Deisler und Ballack. Sie alle haben sich in der Bundesliga durchgesetzt und verdanken ihr Leistungsvermögen nicht den Segnungen einer Quote. Wenn ein deutsches Talent nicht gegen ausländische Konkurrenz besteht, dann ist es auch nichts wert.

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