Sport : Rache für 1986

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Stefan Hermanns über die unhistorische Wut des Uli Hoeneß

Was soll man auch sagen, wenn der Kampf um die Meisterschaft zwischen Bayern München und Werder Bremen durch die offenkundige Lustlosigkeit Dritter entschieden wird? Wenn einer der Titelanwärter in der Schlussphase der Saison mühelos 6:0 gegen eine Mannschaft gewinnt, für die es um gar nichts mehr geht? Man wird natürlich toben. So wie Uli Hoeneß, der Manager der Bayern, das gemacht hat. Toben vor Glück. 18 Jahre ist es her, dass die Bayern die Bremer am letzten Spieltag noch von der Spitze der FußballBundesliga verdrängt haben – weil Werder in Stuttgart verlor, vor allem aber, weil die Münchner 6:0 gegen Borussia Mönchengladbach gewannen und am Ende dank der besseren Tordifferenz Meister wurden.

Hoeneß war schon 1986 Manager des FC Bayern, aber dass er damals über die Gladbacher geschimpft hätte: „Das ist eine wahnsinnige Sauerei! Das hat mit sportlicher Einstellung nichts zu tun“ – daran kann man sich nun wirklich nicht erinnern. Diese Sätze hat Hoeneß erst am Samstag gesprochen, nachdem die Bremer 6:0 gegen den HSV gewonnen, ihre Tordifferenz erheblich verbessert und ganz nebenbei auch noch Rache für 1986 genommen hatten.

18 Jahre sind eine lange Zeit, und vielleicht ist Hoeneß die fußballhistorische Parallele in seiner Wut ganz einfach entfallen. Sein Ausbruch lässt sich aber auch psychologisch deuten: als der verzweifelte Versuch, gegen die eigene Machtlosigkeit anzubrüllen. Selbst wenn Bayern Bremen am Samstag, wie Hoeneß angekündigt hat, wegfegt – selbst dann läge Werder noch vorne, brauchte Bayern die Hilfe anderer. Auf andere angewiesen zu sein, widerspricht dem bayerischen Selbstverständnis. Dafür aber sind weder der HSV noch irgendeine andere Mannschaft verantwortlich. In diese Situation hat sich der FC Bayern ganz allein gebracht.

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