Sport : Rad an Rad

Sebastian Vettel kann schon heute den Formel-1-Titel holen – doch die Saison ist alles andere als langweilig

Karin Sturm[Singapur]
Ganz schön eng. Beim vergangenen Rennen in Monza kamen sich Sebastian Vettel (l.) und Fernando Alonso recht nahe. Foto: dapd
Ganz schön eng. Beim vergangenen Rennen in Monza kamen sich Sebastian Vettel (l.) und Fernando Alonso recht nahe. Foto: dapdFoto: dapd

Die Zahlen sind eindeutig. Sebastian Vettel kann am heutigen Sonntagabend in Singapur seinen zweiten Formel-1-Weltmeistertitel in Folge holen. Schon im 14. von 19 Saisonrennen – selten ist eine Saison so früh entschieden worden. Doch eine Formel Langeweile, wie sie in Zeiten der großen Dominanz von Michael Schumacher zu ertragen war, droht selbst in diesem Fall nicht. Denn wer hinter die Zahlen blickt, der erkennt, dass diese Saison auch eine der spannendsten war. Zumindest, wenn man die Rennen einzeln betrachtet. „Das ist ja genau das Besondere in diesem Jahr“, sagt der McLaren-Pilot Jenson Button. „Sebastian hat zwar einerseits einen Riesenvorsprung in der WM, andererseits war es aber gar nicht so, dass er und Red Bull immer weit überlegen waren.“ Seine Rennsiege musste sich Vettel stets hart erkämpfen, und er habe dabei durch seine eigene Stärke auch Rennen gewonnen, die vielleicht kein anderer Fahrer gewonnen hätte, sagt Button. „In Monaco zum Beispiel, wo wir von McLaren eigentlich ebenbürtig waren. Wir hatten es in der Hand, aber wir haben eben nicht alles so auf den Punkt gebracht wie er und sein Team“, sagt der McLaren-Pilot. „Aber das waren dann doch einfach tolle Rennen.“

Dazu beigetragen hat in dieser Saison natürlich auch die neue Technik. Die beweglichen Heckflügel, das Turbo-Boost- System Kers und vor allem die Pirelli-Reifen mit ihrem gewollt höheren Verschleiß sorgten für viel mehr Überholmanöver und damit auch für viel mehr Action als in der Vergangenheit. Auch die Fahrer selbst hatten daran ihren Spaß. „Ich vielleicht besonders, weil ich ein paarmal von weiter hinten losgefahren bin und mich dann durchkämpfen musste“, sagt Button.

Auch Fernando Alonso ist sich sicher: „Langweilig wird es auf keinen Fall, weder für die Fans noch für uns Fahrer.“ Für den Ferrari-Fahrer selbst gelte jetzt klar das Motto: „Gut, die Tour de France kann ich nicht mehr gewinnen, dann will ich aber wenigstens noch einzelne Etappensiege holen.“ Und möglichst auch noch Vizeweltmeister werden: „Zweiter in der WM klingt doch wesentlich besser als Fünfter.“ Lewis Hamilton, dem Weltmeister von 2008, ist es dagegen ziemlich egal, ob er noch Vizemeister wird, aber Rennen will auch er noch gewinnen, schließlich zählen für ihn ja „sowieso nur Siege“.

Vettel selbst wird es bei einer erfolgreichen Titelverteidigung mit Sicherheit am wenigsten langweilig. Er hätte dann gleich weiter ein volles Programm – ohne große Zeit zum Feiern, von einer Siegerparty Sonntagnacht einmal abgesehen. „Sebastian bleibt auf jeden Fall bei seinem Programm“, bestätigt Red Bulls Teamkoordinator Helmut Marko. „Er ist am Mittwoch im Simulator in England und hat auch hier noch eine Sponsor-Verpflichtung. An seinem Zeitplan ändert sich gar nichts.“ Schließlich ginge es Vettel nicht um den Titel, sondern darum, in jedem Rennen Siege einzufahren. „Er will jedes Rennen gewinnen, deshalb geht er auch einen Tag in den Simulator, was kein Spaß ist, sondern sehr anstrengend. Das würde er nicht machen, wenn er nur an die WM denken würde“, sagte Marko.

Obwohl der Titelgewinn schon in Singapur nur durch eine eher unwahrscheinliche Konstellation eintreten würde (siehe Kasten), ist Vettels Team auf eine Feier am Sonntagabend und mit dem entsprechenden Drumherum aber durchaus eingestellt. „Ich nehme schon an, dass unsere Marketingleute etwas vorbereitet haben. Wenn es klappt und sie nichts haben, dann kriegen sie eins auf die Mütze“, sagt Marko. „Aber generell sollte es nicht schwierig sein, eine Party am Sonntag in Singapur zu veranstalten.“

Ob bei der dann auch Mark Webber wieder bessere Laune bekommen würde? Der Australier scheint ziemlich der Einzige im Fahrerlager zu sein, der mit den großen Erfolgen seines Teamkollegen ein gewisses Problem hat. Am Donnerstag bezeichnete er einen französischen Journalisten nach einer kritischen Frage als „verdammten Wichser“, am Freitag hatte er im Freien Training eine unnötige Kollision mit Timo Glock, dann ignorierte er alle deutschsprachigen Fernsehsender wieder einmal komplett.

Es bleibt interessant in der Formel 1.

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