Sport : Rad-Vizepräsident tritt wegen Zabels Nominierung zurück

Mathias Klappenbach

Berlin - Dieter Kühnle steht mit seiner Meinung nicht alleine da, aber er hat jetzt die Konsequenzen gezogen. Der Vizepräsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) ist unmittelbar nach der Nominierung des geständigen Dopingsünders Erik Zabel für die Weltmeisterschaften Ende September in Stuttgart von seinem Amt zurückgetreten. Kühnle hatte bei der Präsidiumssitzung, bei der Zabels Nominierung mit 6:2-Stimmen festgelegt worden war, gegen den Start des 37-Jährigen gestimmt.

Die Teilnahme von Zabel, der Ende Mai zugegeben hatte, 1996 eine Woche lang gedopt zu haben, ist für Kühnle das Gegenteil eines Neuanfangs im Radsport, den die WM hätte markieren sollen. Stattdessen werde weiter „gewurstelt wie bisher“, sagte Kühnle der Deutschen Presse-Agentur und griff den Verbandspräsidenten Rudolf Scharping an. „Die Generalrichtung, die Scharping vorgibt, kann ich nicht mehr glaubwürdig vertreten. Die Verbandsspitze hat den Ernst der Lage nicht erkannt und es versäumt, durch einen Neuanfang ein deutliches Signal zu setzen“, sagte Kühnle. „Wir hätten nach den letzten Vorfällen und nach dem Zabel-Geständnis einen Cut machen müssen.“ Der 62-Jährige war er beim BDR für den Bereich Marketing und Kommunikation zuständig. Die Entscheidung für Zabel wurde auch von der Chefin des Organisationskomitees für die WM, der Stuttgarter Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU), als verheerend für die Außenwirkung gewertet. „Wir sind alles andere als glücklich über diese Entscheidung“, sagte Eisenmann den „Stuttgarter Nachrichten“. „Man muss sich im Sinne eines glaubwürdigen Neuanfangs fragen, ob das eine kluge Entscheidung war. Ich persönlich halte das für keine.“

Der BDR zeigte hingegen gestern Unverständnis für die Kritik an der Entscheidung und an Scharping sowie für den Rücktritt Kühnles. „Die Modernisierung des BDR wird konsequent fortgesetzt, die Vorwürfe gegen den Präsidenten sind angesichts der kollegialen Entscheidung im Präsidium haltlos“, heißt es in einer Erklärung von Scharpings Stellvertreter Harald Pfab. Scharping selbst nannte die Vorwürfe „unverständlich“, Kühnle bringe durch seine Äußerungen von ihm selbst mitgetragene Entscheidungen in Misskredit. „Alle Entscheidungen des BDR im Kampf gegen Doping wurden im Präsidium des BDR einstimmig getroffen“, sagte Harald Pfab.

Kühnle, der 2005 Leiter der Findungskommission für den Präsidenten Scharping war, hatte nicht zum ersten Mal eine andere Meinung. Als es um das neue Anti-Doping-Gesetz ging, sprach er sich gegen eine Besitzstrafbarkeit von Dopingmitteln aus. „Nicht gerade ein Zeichen für einen Neuanfang“, sagt Rudolf Scharping. Mathias Klappenbach

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