Radprofi Christopher Froome : Der Doping-Verdacht ist immer schneller

Radprofi Christopher Froome fordert mehr Dopingkontrollen schon im Training und reiht sich damit in die wachsende Gruppe derer ein, die sich aggressiv gegen einen Generalverdacht wehren. Doch die Unschuldsvermutung gilt schon lange nicht mehr. Ein Kommentar.

Nikolaus Bönke
Im Gelben Trikot - aber auch mit weißer Weste? Christopher Froome.
Im Gelben Trikot - aber auch mit weißer Weste? Christopher Froome.Foto: dpa

Christopher Froome geht in die Attacke, und das schon gut einen Monat vor dem Start der diesjährigen Tour de France. Der britische Vorjahressieger hat mehr Doping-Kontrollen abseits der Wettkämpfe gefordert. Im Höhentrainingslager auf Teneriffa habe es keine Kontrollen gegeben, sagt er. Obwohl die Gelegenheit, ihn und die Mitfavoriten Vincenzo Nibali und Alberto Contador gemeinsam anzuzapfen, denkbar einfach gewesen wäre.

Vielleicht ist es nur ein taktisches Manöver von Froome, um die Hauptkonkurrenten im Kampf um den Tour-Sieg schon im Vorfeld auszubremsen. Vielleicht hat es da aber auch einer gehörig satt, seit Jahr und Tag dem kollektiven Dopingverdacht im Radsport ausgesetzt zu sein.

Froome reiht sich mit seiner Kritik am Anti-Doping-Kampf in die größer werdende Gruppe derer ein, die sich aggressiv mit dem Thema Generalverdacht auseinandersetzen. Die Unschuldsvermutung? Sie gilt schon lange nicht mehr im Radsport. Zu viele Chancen auf einen sauberen Neubeginn wurden ausgelassen. Armstrong, Ullrich, Zabel oder Contador – die Liste scheint endlos. Vor allem deutschen Spitzenfahrern macht die dunkle Vergangenheit ihrer Landsleute zu schaffen.

Seit 2012 übertragen die Öffentlich-Rechtlichen die Tour nicht mehr. André Greipel, Marcel Kittel und Tony Martin haben seitdem neun Etappen bei der Frankreich-Rundfahrt gewonnen. Doch der kollektive Dopingverdacht nimmt diesen Sportlern womöglich die Chance auf eine vorbehaltlose Berichterstattung, die sie aufgrund ihrer nach heutigem Stand sauberen Erfolge verdient hätten.

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