Sport : Radprofi Simeoni gesteht Doping

Der Kampf gegen Doping im Radsport hat in Italien eine historische Wende genommen. Filippo Simeoni hat im Prozess gegen den Sportmediziner Michele Ferrari Doping mit Epo und Wachstumshormonen offen zugegeben - in diesem Verfahren als erster aktiver Straßen-Radprofi. Gleichzeitig belastete er den umstrittenen Sportarzt aus Ferrara schwer, der auch den dreifachen Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong (USA) betreut. Die italienische Staatsanwaltschaft hatte bei dem Mediziner eine Liste mit 70 Fahrer-Namen sichergestellt.

"Ich habe nach Anweisung von Ferrari Epo und Wachstumshormone genommen", sagte der 30 Jahre alte Vuelta-Etappengewinner Simeoni, der beim zweitklassigen Team Acqua e Sapone unter Vertrag steht, Richter Maurizio Passarini in Bologna. "Simeonis Aussage wird in der Geschichte des Radsports unvergessen bleiben", kommentierte die "Gazzetta dello Sport" am Mittwoch.

Als erster "Pentito", wie die Italiener eigentlich reumütige Mafiosi nennen, packte Simeoni vor Gericht ganz detailliert aus. Bereits seit 1993 habe er sich mit Epo gedopt. Nach seinem Wechsel ins Profi-Lager 1995 habe von Oktober 1996 bis November 1997 Ferrari die Epo-Verabreichungen überwacht und ihm außerdem systematisch Wachstumshormone und das Testosteron-Präparat "Andriol" gegeben.

"Damit ich bei den Dopingkontrollen keine Probleme bekomme, hat mir Ferrari für den Vorabend und den Morgen der Kontrollen das Präparat Emagel empfohlen, das das Blut verdünnt", sagte Simeoni vor Gericht. Einmal habe ihm Ferrari auch vor einer Kontrolle 300 Gramm Blut abgenommen, weil sein Hämatokritwert ansonsten das zulässige Limit von 50 Prozent überschritten hätte. Wegen eines zu hohen Hämatokritwerts, der als Indiz für Epo-Doping gilt, war 1999 auch Italiens Radsportidol Marco Pantani beim Giro disqualifiziert worden.

Bei seinen Aussagen belastete Simeoni auch seinen früheren Team-Kollegen Claudio Chiapucci. Dieser bestritt jedoch, von Ferarris Dopingbehandlungen gewusst zu haben, sagte der inzwischen nicht mehr aktive Chiapucci am Mittwoch. Der Präsident der italienischen Profi-Radfahrer-Vereinigung Adorni lobte Simeoni für seinen Mut: "Er hat einen großen Schritt getan."

Francesco Moser meinte, die "Radprofis haben die Lösung des Dopingproblems selbst in der Hand". In den italienischen Medien wurde Simeonis Aussage als mutiger Schritt in die richtige Richtung gewertet. "An Simeoni sollten sich viele ein Beispiel nehmen", kommentierte die "Gazzetta dello Sport".

Nach Simeonis belastender Aussage wird eine Verurteilung des Sportmediziners Ferrari immer wahrscheinlicher. Der 48-Jährige ist ein Schüler des ebenfalls wegen systematischen Dopings vor Gericht stehenden Francesco Conconi. Beide sollen laut Staatsanwalt Giovanni Spinosa Ausdauersportlern jahrelang Doping-Mittel verschrieben haben. Zu Ferraris "Patienten" gehörten neben Armstrong, der bei der vergangenen Tour zugegeben hatte, mit Ferarri seit 1997 Kontakt zu haben, auch Ex-Weltmeister Abraham Olano (Spanien), Axel Merckx (Belgien) und Andreas Kappes (Bremen).

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