Sport : Radrennen: Noch fährt Zabel stressfrei

Denn am Wochenende fand im Eisstadion Wilmersdorf das WM-Finale im Eisspeedway statt. Der russische Fahrer Kirill Drogalin belegte zwar nur den dritten Platz, konnte aber mit 164 Zählern in der Gesamtwertung vor seinem Landsmann Wladimir Fadejew den Weltmeister-Titel verteidigen. Tagessieger wurde der deutsche Meister Wiatcheslav Nikulin.

Dass hier fast ausschließlich nur Russen starten, damit hat Siegfried keine Probleme. Der 56-Jährige Fan aus Neustrelitz steht in Eisspeedway-Mütze und Schal auf der kleinen Tribüne und knautscht vor Aufregung seine in Aluminium eingewickelten Wurstbrote. "Die schräge Kurvenlage, die perfekte Beherrschung der Maschine. Eisspeedway ist einfach der absolute Höhepunkt", sagt Siegfried und holt erst einmal Luft. Unten rollt Jürgen Liebmann aus Rosenheim an den Start. Bis zu 300 Stahlnägel bohren sich in das Eis. Das Startseil schnallt hoch, die vier Fahrer knattern los. Eisstücken fliegen auf die Tribüne, die 60-PS starken Maschinen gehen im 60-Grad-Winkel in die Kurve. Vier Runden geht das so, immer im Kreis. Und nach einer Minute ist alles schon wieder vorbei.

Liebmann wird dritter. Für die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft ist der 30-Jährige drei Wochen nach Russland gereist. "da konnte ich mi den Russen im Uralgebirge trainieren", sagt Liebmann. "Die können auf Naturbahnen trainieren." Man braucht dafür nur einen zugefrorenen See. Liebmann hat aber Probleme. Erst knicken die Nägel ab, dann bricht die Fußraste. Liebmanns Vater Matthäus ist zur Stelle. Der 52-Jährige ist nämlich zugleich sein Mechaniker und füllt schnell noch einen Liter Methanol in den Tank.

Im mit 5500 Zuschauer prallgefüllten Stadion dagegen geht es wesentlich weniger hektisch zu. Statt Methanol liegt hier Gühwein in der Luft. Nur Sebastian weiß nicht so recht was er hier soll. Um ihn herum stehen Vokuhila-Rocker in ausgeranzten Stiefeln. Oder Familien, die sich an den mitgebrachten Picknick-Körben bedienen. wer besonders gut ist bringt auch noch einen Klappstuhl mit. "Hier sind ja noch mehr Assis als beim Fußball", sagt Sebastian. "Egal, ich habe eh keine Ahnung wie das funktioniert."

Auf einmal ist es still. Maxim Baraboshkin prallt mit knapp 90 Stundenkilometer in die Schutzbegrenzung. Sanitäter flitzen zur Unglücksstelle, Ordner schieben das Motorrad in die Werkstatt. Braboshkin hebt den Arm, das Publikum atmet durch. Und Stadionsprecher Klaus Witt quasselt in Rummelmanier ins Mikrophon: "Tja, Pech gehabt. So ist das eben."

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