Radrennsport : Sieg in der Niederlage

Dieter Berkmann, Orthopäde und ehemaliger Bahn-Radrennfahrer, ist der Repräsentant eines neuen Systems. Ein System, dass für andere Ideen und Konzepte steht als der alte und neue BDR-Präsident Rudolf Scharping.

Frank Bachner[Leipzig]
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Weiter im Amt. Rudolf Scharping bleibt BDR-Präsident. Foto: dpa

Endgültig verloren hat Dieter Berkmann gegen 14.30 Uhr. Da raunte eine Frau in der letzten Reihe ihrem Nachbarn zu: „Hoffentlich kann er besser operieren als reden.“ Sekunden zuvor hatte Berkmann am Mikrofon seinen Versuch abgebrochen, über die Probleme des Hallenradsports zu reden. Ein paar verwirrende Gedanken waren auf die Zuhörer niedergegangen, so dröge und einlullend formuliert, dass man instinktiv ums Aufhören betete. Berkmann, der Orthopäde und frühere Bahn-Radrennfahrer spürte bald, dass er den roten Faden verloren hatte, deshalb verkündete er freundlich: „Vergessen Sie, was ich gerade gesagt habe.“

Mehr verpatzen konnte er seinen Auftritt nun nicht mehr.

Im Sitzungssaal eines Nobelhotels in Leipzig saßen am Samstag viele Delegierte, die Rudolf Scharping nicht länger als Präsidenten des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) wollten. Aber dieser Mann, der sich gerade durch seine Bewerbungsrede kämpfte, der soll ihn doch bitte nicht ersetzen. Am Ende hatte Scharping 399 Stimmen beim Verbandstag des BDR, Berkmann 174.

Gewonnen hat Berkmann trotzdem. Das System Berkmann, muss man sagen. Der Arzt steht ja für Ideen, für neue Konzepte, für Forderungen des Anti-Scharping-Lagers. Berkmann ist nur der Repräsentant des neuen Systems. Die Köpfe sind andere. Günter Riemer und Karl Link zum Beispiel. Der eine ist der Chef des Württembergischen Verbandes, der andere einer seiner Stellvertreter.

Scharping hatte stolz verkündet, dass die Delegierten jetzt einen neuen Vizepräsidenten für Leistungssport wählen dürfen. Der soll den umstrittenen Sportdirektor Burkhard Bremer kontrollieren. Bremer ist die Reizfigur für viele im BDR. Selbstherrlich, schwierig im Umgang, so lauten die Vorwürfe. Mit dem neuen Posten beruhigt Scharping die Basis. Riemer verengt die Augen, er sagt: „Die Forderung nach einem Vizepräsidenten Leistungssport kommt von uns. Den Posten haben wir schon vor einem Jahr verlangt. Und jetzt verkauft das der Scharping als seine Idee.“

Und das neue Leistungskonzept, das der BDR-Chef auch präsentiere, „das“, sagt Link, „habe ich geschrieben“. Und was sei denn mit der neuen Zusammenarbeit des BDR mit dem Institut für Angewandte Trainingswissenschaften, die Scharping als tolle Leistung verkaufe? „Dieser Vorschlag kommt vom thüringischen Landestrainer“, knurrt Link.

Scharping klaut angeblich Ideen anderer, so ist das im Kampf um Macht. Aber es sind die Ideen seiner Gegner, sie sind jetzt Teil der BDR-Politik. Leipzig ist eine Zäsur für den BDR. Die festgefahrenen Strukturen, die mangelhafte interne Kommunikation, die ist erst mal vorbei. Aber es bleiben noch genug Baustellen, jedenfalls aus Sicht der Scharping-Gegner. Link hat ein neues Leistungskonzept geschrieben und ans Präsidium geschickt. Zurück erhielt er eine überarbeitete Fassung, die ihn „entsetzte. Die Seele des Konzepts haben sie mir genommen“. Es bleibe dabei: Bremer könne selbstherrlich bestimmen, Ideen der Trainer würden nicht gefragt und berücksichtigt. Genau das aber hatte Link gefordert.

Scharping hat die Wahl gewonnen, aber er hat keine Ruhe. Jürgen Beese, der Präsident des Thüringer Landesverbandes, kommt auf Link zu. „Im Sommer“, sagt der Schwabe Link, „überprüfen wir, was sich geändert hat.“ Da legt ihm Beese die Hand auf die Schulter. „Früher“, erwidert er dann, „früher.“

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