Radsport : Armstrong plant trotz schlechter Diagnose Giro-Start

Nach seinem Sturz bei der Rundfahrt Castilla y León steht Rückkehrer Lance Armstrong eine schwierige Operation bevor. Dennoch will der 37-Jährige unbedingt Anfang Mai beim Giro d'Italia an den Start gehen - selbst ohne Vorbereitung.

Benjamin Haller,Hubert Kahl[dpa]
Armstrong
Grübelnd. Lance Armstrong nach seinem Sturz. -Foto: dpa

HamburgDer Bruch ist schlimmer als befürchtet, doch Lance Armstrong will die 100-Jahr-Feier des Giro d'Italia unter allen Umständen mit seiner Teilnahme beehren. Trotz des "größten Rückschlags" seiner Karriere machte sich der Amerikaner vor der Operation am Mittwoch selbst Mut: "Ich denke, der Giro ist absolut machbar." Dabei war der Schlüsselbeinbruch, den der Sportmediziner Douglas Elenz im texanischen Austin "wieder zusammensetzen" sollte, deutlich komplizierter als zunächst angenommen. Armstrongs Optimismus löste in Italien Jubel aus. "Der ehemalige König der Tour kann es gar nicht erwarten, den Giro zu fahren", freute sich die Zeitung "La Gazzetta dello Sport".

Doch die Vorzeichen für sein erfolgreiches Comeback haben sich verschlechtert. Der Astana-Kapitän erklärte, dass der Knochen in "verschiedene Teile" aufgesplittert sei und eine stabilisierende Platte eingesetzt werden müsse. Die Genesungszeit könnte daher länger als die zunächst veranschlagten vier Wochen dauern. "Ich denke, sie versuchen, dass Puzzle wieder zusammenzusetzen", sagte Armstrong, der den Sturz bei der Rundfahrt Castilla y León noch längst nicht verdaut hat: "Es ist der größte Rückschlag, den ich in meiner Radsport-Karriere je erlebt habe, daher ist es eine neue Erfahrung für mich."

Basso wünscht Armstrong baldige Genesung

Nach der Operation durch den amerikanischen Doktor Elenz muss Armstrong eine 72-stündige Ruhepause einlegen. Erst danach wird sich entscheiden, ob der siebenfache Tour-de-France-Sieger zumindest wieder auf dem Home-Trainer seine Kilometer abspulen kann. Es gebe Profis, die zwei Wochen später wieder fahren und andere, die erst nach acht Wochen wieder in den Sattel zurückkehren, sagte der 37-Jährige. Sollte er zwei Monate pausieren müssen, wäre sein Start bei der Italien-Rundfahrt aber ausgeschlossen.

Doch noch gibt sich der Ex-Weltmeister kämpferisch - und bekommt Unterstützung von seinem einstigen Tour-Rivalen Ivan Basso. "Ich denke und hoffe, dass er sich schnell erholt und am 9. Mai beim Start in Venedig dabei ist. Ohne Lance wäre der Giro nicht der selbe", sagte der Giro-Sieger von 2006. Denn selbst falls Armstrong nicht in Top-Form nach Italien kommen kann, ist er - zumindest als PR-Ikone - eine Bereicherung für den Giro, der 1909 erstmals ausgerichtet wurde. "Selbst wenn ich in den Giro unvorbereitet gehen und ihn als Vorbereitung für andere Rennen nutzen würde, würde ich das tun", sagte Armstrong, der sich zuletzt in guter Form wähnte.

Nicht mehr der Alte

Unterdessen sind Zweifel an seiner Leistungsfähigkeit laut geworden. Mehrere Teilnehmer der Kastilien-León-Rundfahrt hatten den Eindruck, dass Armstrong nicht mehr der Alte ist. Der Amerikaner habe nervös, angespannt und übervorsichtig gewirkt, berichteten die Profis, die - wohl aus Angst vor einer eventuellen Retourkutsche Armstrongs - nicht namentlich genannt werden wollten. Der Tour-Rekordsieger habe bei Bergabfahrten das Risiko gescheut und habe dazu geneigt, in der sogenannten Sicherheitszone des Feldes zu fahren.

"Lance war sonst auf den Abfahrten immer sehr wendig und schnell gewesen", berichtete ein Astana-Teamkollege der Zeitung "El Periódico". "Aber jetzt fiel mir auf, dass er sich nicht mehr so eng an das Hinterrad des Vordermanns heftete, sondern einen Sicherheitsabstand wahrte. Wir mussten ihn auch ermahnen, im Innern des Feldes zu fahren und nicht am Rand. An den Rändern ist die Sturzgefahr größer, aber man muss wegen des Gegenwinds mehr Kraft aufwenden." Nach Angaben der Zeitung war der Amerikaner gestürzt, weil er zu stark gebremst hatte. "Die Angst vor einem Sturz brachte Armstrong zu Fall", schrieb das Blatt.

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