Radsport : Armstrong rollt bei Comeback mit Hauptfeld ins Ziel

Lance Armstrong ist bei seinem Comeback-Start nach dreieinhalb Jahren Renn-Pause im Hauptfeld über die Ziellinie gerollt. Das australische Adelaide war wegen des US-Radsportstars aus dem Häuschen. Aus Europa kamen allerdings kritische Töne.

Adelaide/Berlin
Lance Armstrong
Lance Armstrong (M.) beim Start in Adelaide. -dpa

Er rollte mit einem breiten Grinsen auf Rang 64 im Rymill Park 23 Sekunden hinter dem Tagessieger Robbie McEwen über die Ziellinie. Lance Armstrong brachte die ersten 51 Rennkilometer am Tag eins seines Comebacks nach dreieinhalb Jahren Pause routiniert hinter sich. "Es war hart, aber ich habe mich gut gefühlt. Es hat Spaß gemacht. Ich glaube, ich bin 1990 zuletzt ein so schnelles Rennen gefahren. Ich brauche wahrscheinlich noch einige Zeit, um in den Rhythmus zu kommen", sagte der 37 Jahre alte Rückkehrer am Sonntag in Adelaide/Australien im Ziel eines Kriteriums zur Einstimmung auf die am Dienstag beginnende 10. Tour Down Under.

150.000 Zuschauer bevölkern das Städtchen Adelaide

Den Spurt nach 30 Runden vorbei an fast 150.000 enthusiastischen Zuschauern, die das verschlafene Adelaide zur Radsport-Welt-Hauptstadt machten, gewann der Einheimische McEwen, den Armstrong aus Tour-Tagen bestens kennt. Zeitgleich Vierter wurde Vorjahressieger André Greipel aus Rostock: "Adelaide war wegen Armstrong im Ausnahmezustand". Der Texaner, der das Rentnerdasein nicht aushielt, riskierte nichts und hielt sich in der Mitte des Feldes von 133 Profis.

"Er ist froh, wieder ein Rennfahrer zu sein", fasste Astana- Teamchef Johan Bruyneel, der spiritus rector seiner sieben Tour- Erfolge, die ersten Renn-Erfahrungen für Armstrong zusammen. Während sich der prominente Rückkehrer sichtlich wohl fühlt auf dem fünften Kontinent, wurde in Europa schon wieder gegen ihn gestänkert. Filippo Simeoni äußerte Zweifel an dem "sauberen" Rad-Star und Armstrongs Comeback-Motiven.

Simeoni glaubt Armstrong nicht

In einem Interview mit der "Welt am Sonntag" antwortete der italienische Radprofi, der seit 2004 als Armstrongs Intimfeind gilt, auf die Frage der Glaubhaftigkeit der Beteuerungen des Texaners, nie gedopt zu haben: "Nach all den stringenten Beweisen ist es ja kaum möglich, das zu glauben. Aber er wurde nie positiv getestet. So sieht eben die offizielle Realität aus, ob man das nun glaubt oder nicht." Dass die große Triebfeder seiner Rückkehr das Engagement für seine Krebsstiftung "Livestrong" sei, glaubt Simeoni "nicht eine einzige Sekunde".

Tief im Herzen spüre Armstrong "diesen absoluten Antrieb zum Erfolg, nichts anderes als der Sieg zählt. Simeoni war Haupt- Belastungszeuge im Doping-Prozess gegen Armstrongs Leibarzt Michele Ferrari. Bei der Tour de France 2004 musste er für seine Redefreiheit bezahlen: Auf der 18. Etappe holte ihn der lange Arm Armstrongs zurück. Der Spitzenreiter fuhr einer Ausreißergruppe höchstpersönlich hinterher, um einen möglichen Etappensieg Simeonis zu stoppen.

Armstrong hat seit seiner Ankunft in Adelaide am vergangenen Wochenende zwei Doping-Kontrollen absolvieren müssen. Der US-Profi hat am Donnerstag nach einer fünfstündigen Trainingseinheit und am Freitagmorgen um acht Uhr Blut- und Urinproben abgeben müssen. Armstrong erklärte, er sei allein in der Vorbereitungsphase in den vergangenen Monaten ein Dutzend Mal getestet worden. "Ich fordere jeden heraus, mir einen Sportler zu zeigen, der sich in den vergangenen drei Monaten zwölf Tests unterzogen hat", sagte Armstrong auf einer Pressekonferenz am Samstag.

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