Radsport : Armstrongs Verletzung schlimmer als erwartet

Lance Amstrong hat die Operation an seinem in vier Teile gesplitterten Schlüsselbein gut überstanden. Dennoch wird ein Giro-Start des siebenmaligen Toursiegers immer unwahrscheinlicher. Sogar hinter seiner Teilnahme bei der Tour de France steht ein kleines Fragezeichen.

Andreas Zellmer,Hubert Kahl[dpa]

Berlin/Austin/Madrid Lance Armstrong kämpft um seine Gesundheit und steht vor einem erneuten - sicher medienwirksamen - Wettlauf mit der Zeit. Nach überstandener Operation an seinem in vier Teile gesplitterten Schlüsselbein ist der 37 Jahre alte Rückkehrer im Hinblick auf seine sportlichen Perspektiven vorsichtig optimistisch. "Der Giro ist durchaus machbar", sagte der siebenfache Tour-de-France-Gewinner, der am 9. Mai in Venedig zum ersten Mal in seiner Karriere bei der Italien-Rundfahrt an den Start gehen will.

Sein Schlüsselbein wurde mit einer 12 Zentimeter langen Stahlplatte und 12 Schrauben fixiert. Normalerweise dauert die Heilung einer solchen Verletzung, die komplizierter als erwartet war, nach Auskunft des behandelnden Arztes Doug Elenz in Austin/Texas acht bis 12 Wochen. Armstrong, der 1996 an Hodenkrebs erkrankte und nach Überwindung der Krankheit zu seinem sagenhaften Höhenflug in Frankreich ansetzte, war auf der 1. Etappe der Rundfahrt Castilla y León in Spanien gestürzt. "Jetzt kann man noch keine Prognose stellen, wann Lance wieder richtig trainieren kann", sagte Operateur Elenz.

Trainingsbeginn schon in wenigen Tagen

Der Texaner will schon nach kurzer Ruhephase in den nächsten Tagen in den eigenen vier Wänden wieder mit leichtem Training beginnen. Schon in der kommenden Woche könnte er auf einer Spezialkonstruktion eines Ergometers wieder treten, ohne dabei den Oberkörper zu belasten. In seiner Zeit beim Team Telekom und T-Mobile hatte der letztjährige Tour-Zweite Cadel Evans (Australien) drei Schlüsselbeinbrüche zu überstehen. Wenige Wochen nach seinen Verletzungen hatte er wieder mit dem Training auf der Straße begonnen.

Unmittelbar nach der erfolgreichen Operation verbreitete sich Armstrong wieder auf seinem bevorzugten Medium "Twitter" und teilte mit: "Ich bin zu Hause und spiele mit meinen Kindern - das tut mir gut." Armstrong, dessen Hauptziel in diesem Jahr die Teilnahme an der am 4. Juli in Monaco beginnenden Tour de France ist, stufte seine Verletzung als den "härtesten Rückschlag meiner Karriere" ein.

Seine Zwangspause provoziert Spekulationen um den Chefsessel im stark besetzten Astana-Team. Neben dem Spanier Alberto Contador, den Armstrong kurz vor seinem Sturz noch als den "besten Fahrer der Welt" gepriesen hatte, trumpft nun auch Levi Leipheimer auf. Der US-Profi, der sich im Gerangel zwischen den beiden um die Führungsposition im Hintergrund gehalten hatte, übernahm bei der Rundfahrt Castilla y León die Führung vor seinem Teamkollegen Contador und bot sich teamintern schon als neuer Kapitän für den Giro an. Mehr als ein "Mitrollen" in Italien traut er seinem Landsmann wahrscheinlich kaum zu - vorausgesetzt Armstrong schafft überhaupt das Soll 9. Mai.

Leipheimer steht bereit

Contador hat sich bereits damit abgefunden, dass er vorläufig hinter Leipheimer die Nummer zwei ist und für ihn als "Wasserträger" arbeiten muss. "Wenn Leipheimer gewinnt, wird das auch mein Sieg sein", sagte der Spanier. Hinter dieser Bescheidenheit liegt aber sicher eher ein taktischer Schachzug. "Contador weiß genau, dass es für ihn von Vorteil sein wird, wenn Leipheimer ihm etwas schuldig ist", betonte das Sportblatt "Marca". "Der Spanier denkt an die Tour. Sie allein zählt für ihn."

Contadors Landsmann Alejandro Valverde feierte bei der Kastilien- Rundfahrt mit dem Gewinn der 3. Etappe seinen ersten Erfolg nach den Dopingvorwürfen des Nationalen Olympischen Komitees in Italien. Er wollte den Etappensieg jedoch nicht als Antwort auf die Verdächtigungen verstanden wissen, in den Skandal um den mutmaßlichen Dopingarzt Eufemiano Fuentes verwickelt gewesen zu sein. "Ich gewinne nicht, um Mäuler zu stopfen, sondern weil siegen einfach schön ist", sagte Valverde.

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