Radsport : Astana-Team von Tour de France ausgeschlossen

Die Tour de France wird dieses Jahr ohne seinen Titelverteidiger starten. Die Veranstalter des bedeutendsten Radrennen der Welt machen im Anti-Doping-Kampf ernst und sperren das Astana-Team, beim dem auch Andreas Klöden fährt, aus.

Thomas Bachmann[sid]
Andreas Klöden
Andreas Klöden. -Foto: dpa

ParisTour ohne Titelverteidiger: Die Veranstalter der Frankreich-Rundfahrt ziehen ihren Anti-Doping-Kurs mit einem in der Geschichte einmaligen Schritt durch und haben den Astana-Rennstall von der Tour de France 2008 ausgeschlossen. Neben Vorjahressieger Alberto Contador fehlen damit am 5. Juli auch der Lausitzer Andreas Klöden, Zweiter 2004 und 2006, sowie der Tour-Dritte Levi Leipheimer, wenn die 95. Tour de France in der Bretagne gestartet wird.

Für alle ASO-Rennen gesperrt

"Durch das Team haben die Tour und der Radsport in den Jahren 2006 und 2007 großen Schaden erlitten. Gerade im vergangenen Jahr hat es das Vertrauen der Organisatoren missbraucht", hieß es in einer Mitteilung des Tour-Veranstalters Amaury Sports Organisation (ASO). Der Auschluss Astanas gelte für alle Rennen der ASO, beginnend mit der Frühjahrs-Fernfahrt Paris-Nizza (9. bis 16. März), auch für Klassiker wie Paris-Roubaix.

Die Nichtberücksichtigung eines Titelverteidigers war zuvor erst einmal 1953 erfolgt, allerdings aus anderem Grund. Der Italiener Fausto Coppi erhielt als Sieger von 1952 "wegen zu großer sportlicher Überlegenheit" keine Einladung. Der von einem kasachischen Konsortium finanzierte Rennstall Astana mutierte in diesem Jahr zum Auffangbecken für Fahrer und Betreuer des aufgelösten Discovery-Teams. Der neue Teamchef Johann Bruyneel, der bereits Lance Armstrong zu sieben Tour-Erfolgen verhalf, brachte Contador sowie den Ex-Gerolsteiner Leipheimer mit. Dadurch galt die Mannschaft vom Papier her als heißester Anwärter auf den Tour-Sieg.

Bittere Nachricht für Klöden

Der Neuanfang nach den Dopingfällen des vergangenen Jahres, als Matthias Kessler (Nürnberg/Testosteron), Kapitän Alexander Winokurow und Andrej Kaschetschkin (beide Kasachstan/beide Blutdoping) des Dopings überführt wurden, hat nun einen beträchtlichen Rückschlag erlitten. Besonders bitter ist die Nachricht für Klöden, der im vergangenen Jahr in aussichtsreicher Position liegend nach dem Rückzug seines Teams aus dem Rennen aussteigen musste.

Die ASO schlägt die Tür für Astana jedoch nicht komplett zu. Man werde die Mannschaft in diesem Jahr genau beobachten. Sollte es keine Skandale und keinen Dopingverdacht geben, werde man eine Einladung in Zukunft wieder in Betracht ziehen.

Weiteren Teams droht das Aus

Tour-Direktor Christian Prudhomme hatte bereits in der vergangenen Woche angekündigt, eine saubere Frankreich-Rundfahrt habe oberste Priorität. Man werde deshalb nicht nur einzelne Fahrer mit zweifelhaftem Ruf, sondern ganze Teams nicht starten lassen. Somit drohte unter anderem auch T-Mobile-Nachfolger High Road sowie Rabobank das Tour-Aus für dieses Jahr. Allerdings haben die Mannschaften eine Einladung zu Paris-Nizza erhalten, was als gutes Zeichen im Hinblick auf die Einladung zur Frankreich-Rundfahrt gewertet werden kann.

Anfang Februar war Astana bereits bei der Team-Nominierung zum Giro d'Italia nicht berücksichtigt worden. Auch High Road sowie die französischen Teams Credit Agricole und Bouygues Telecom hatten keine Einladung erhalten.

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