Radsport : Auch Armstrong kann nicht helfen

Lance Armstrongs erster Start kann die Probleme beim Giro d’Italia nicht überdecken.

Vincenzo Delle Donne[Mailand]

Für etwas Glamour scheuten die Organisatoren des 100. Geburtstags des Giro d''Italia keine Unkosten. Sie versprachen Lance Armstrong ein Handgeld von zwei Millionen Euro und 300 000 Euro für seine Krebsstiftung allein dafür, dass er bei der Jubiläumsrundfahrt über den Apennin dabei war und so tat, als habe er Siegesambitionen. Die italienischen Fans erkannten diese Ankündigung aber schon bald als Finte. Es war das erste Mal, dass der US-Amerikaner beim Giro mitfuhr, der am Sonntag zu Ende geht.

Während Armstrong mit seinem in Windeseile verheilten Schlüsselbeinbruch tatsächlich passabel mitradelte, sich aber sichtlich für die kommende Tour de France schonte und vor der letzten Etappe auf dem zwölften Platz liegt, hatten seine Kollegen vom Astana-Rennstall zwar Siegchancen, aber in erster Linie Sorgen existenzieller Natur. Seit zwei Monaten bleiben Zahlungen an sie aus. Um dagegen zu protestieren, fuhren sie eine Etappe mit Leibchen ohne Sponsor. Die Zukunft des Top-Teams soll sich nach dem Pfingstwochenende entschieden.

Armstrong zeigte sich solidarisch mit seinen Teamkollegen und rührte mit Gefälligkeitsinterviews auch die Werbetrommel für das Radsportspektakel. Er behauptete, dass der Giro genauso schön wie die Tour de France und dass Italien ein schönes Land sei. Dass seinetwegen wahrscheinlich die Mannschaft des italienischen Meisters Gilberto Simeoni ausgeladen wurde, darüber fiel kein einziges Wort. Simeoni war in der Vergangenheit ein „Kronzeuge“ dafür, dass auch Armstrong auf die Dienste des Dopingarztes Michele Ferrari zurückgegriffen hat. Der dreiwöchige Giro hatte sportlich durchaus eine gewisse Spannung. Dafür sorgte der Lokalheld aus den Abruzzen Danilo Di Luca, der nach seiner Dopingsperre wie Liquigas-Teamkollege Ivan Basso, der auf Platz fünf liegt, wieder mitfahren durfte. Di Luca lieferte sich packende Duelle mit dem Russen Denis Mentschow, der sich auf jedem Terrain zu wehren wusste.

Mentschow, der vor dem abschließenden kurzen Zeitfahren 20 Sekunden Vorsprung hat, parierte Di Lucas Angriffe derart souverän, dass es schon verdächtig war. Selbst die letzte schwere Bergetappe auf den Vesuv von Neapel konnte dem Kapitän vom Rabobank-Team nichts anhaben. Auch verbal war er in den Interviews nach den Etappen nicht zu schlagen.

Als das umfassende Dopinggeständnis des Österreichers bekannt wurde, fiel auch Mentschows Name im Zuge der Ermittlungen gegen die Wiener Blutbank „Humanplasma“. Die österreichischen Ermittler wollen Mentschow nach dem Giro vernehmen. „Es überrascht mich nicht, dass mein Name gerade jetzt genannt wird“, sagte Mentschow selbstsicher, „alles wird sich aber aufklären“. Mentschow fühlt sich offenbar sicher. Und Lance Armstrong erhielt noch lobende Worte von Jean-Marie Leblanc, dem früheren Direktor der Tour de France. Ein Fahrer wie Armstrong könne bei der Tour im Juli einfach nicht fehlen, sagte der Franzose.

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