Radsport : Ausverkauf bei Team Gerolsteiner hat begonnen

Das Team Gerolsteiner befindet sich im Schockzustand. Die Sponsorensuche blieb erfolglos. Jetzt hat der Ausverkauf des Rennstalls begonnen. Der Wechsel von Topfahrer Fabian Wegmann und Sportdirektor Christian Henn zu Konkurrent Milram ist nur noch Formsache.

KitzbühelEinen Tag nach dem angekündigten Rückzug der Equipe von Teamchef Hans-Michael Holczer gab dessen nationaler Rivale Milram bekannt, dass der zweimalige deutsche Meister Fabian Wegmann und Gerolsteiner-Sportdirektor Christian Henn kurz vor einem Wechsel stehen. "Zu 99 Prozent kommt Christian Henn zu uns. Und jeder weiß um das besondere Verhältnis zwischen Henn und Wegmann", sagte Milram- Teamchef Gerry van Gerwen am Rande der Deutschland-Tour.

Wenig später hatte der Niederländer erneut Grund zur Freude. Der australische Milram-Fahrer Brett Lancaster gewann überraschend den Prolog in Kitzbühel vor dem Schweden Gustav Larsson (+0,1 Sekunden Rückstand) und dem Pulheimer Sprint-Spezialisten Gerald Ciolek (+2). Titelverteidiger Jens Voigt wurde nur 52.

Wechsel nur noch Formsache

Ein Vertrag sei noch nicht unterschrieben, betonte der Niederländer van Gerwen bezüglich Henn und Wegmann. Der Wechsel der beiden ist aber nur noch eine Formsache. Henn bestätigte, in Kontakt mit dem Niederländer zu stehen und deutete einen Wechsel im Paket mit einigen Gerolsteiner-Fahrer an. "Ich sage nur soviel: Die Mannschaft hatte einen sehr guten Zusammenhalt", sagte der Ex-Profi über sein Noch-Team.

Der diesjährige Tour-de-France-Dritte Bernhard Kohl wird sich Henn aber auf keinen Fall anschließen. "Kohl kommt nicht", sagte van Gerwen. Der Österreicher hatte erklärt, einen Kontrakt bei einem neuen Arbeitgeber unterzeichnet zu haben, ohne diesen zu nennen.

"Wir sind in diesem Spiel am Ende wieder die Beschissenen"

Nach der Ankündigung von Hans-Michael Holczer, den Rennbetrieb nach monatelanger, glückloser Sponsorensuche zum Jahresende einzustellen, sind weitere Topfahrer auf Jobsuche. "Wir sind in diesem Spiel am Ende wieder die Beschissenen", sagte Sprinter Robert Förster. Trotz der rigiden Anti-Doping-Politik seines Teams müsste ausgerechnet Gerolsteiner die Konsequenzen aus den Skandalen der anderen tragen.

Neben den Brüdern Markus und Thomas Fothen könnte auch der zweifache Tour-Zeitfahrsieger Stefan Schumacher für van Gerwen interessant werden. Dessen Fokus dürfte aber zunächst auf die Columbia-Profis Linus Gerdemann und Gerald Ciolek gerichtet sein, um künftig einen Topfahrer für das Klassement und die Sprintankünfte zu haben. "Das wird eine Mannschaft, an der mein Herz hängen wird", sagte van Gerwen, ohne Kontakte zu weiteren Profis preiszugeben.

Am Rande des D-Tour-Prologs in Kitzbühel reagierte das Fahrerfeld nach der erfolgreichsten Saison der Gerolsteiner-Geschichte traurig und geschockt auf die schlechte Nachricht. "Ich hatte fest damit gerechnet, dass Hans noch einen Sponsor findet. Das ist ein Schock", sagte Voigt. Und Gerdemann fügte hinzu: "Das ist schade für den gesamten Radsport." Besonders niedergeschlagen waren naturgemäß die Gerolsteiner-Profis. "Jetzt trägt die Arbeit endlich Früchte, umso trauriger ist es, dass die Mannschaft aufgelöst wird", sagte Kohl, der wie die komplette Belegschaft "gern geblieben" wäre. (dw/dpa)

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