Radsport : Cancellara gewinnt Paris-Roubaix

Fabian Cancellara gewann zum dritten Mal den Super-Klassiker Paris-Roubaix. Der Topfavorit schaffte es aber nicht im Alleingang. Im Zielspurt im alten Velodrom von Roubaix musste der Schweizer den fast ebenbürtigen Belgier Vanmarcke niederringen.

Im Stile eines gewieften Bahnsprinters ist Fabian Cancellara in der „Hölle des Nordens“ zu seinem dritten Triumph beim Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix gerast. Eine Woche nach seinem Sieg bei der Flandern-Rundfahrt gewann der viermalige Zeitfahr-Weltmeister auch die 111. Auflage des Klassikers in Nordfrankreich. Nach 254 km, davon 52,6 km über Kopfsteinpflaster, konnte nur der Belgier Sep Vanmarcke mit dem Schweizer, der zwischenzeitlich schon abgehängt schien, Schritt halten. Zum Sieg im Finish reichte es aber nicht mehr. Dritter wurde der Niederländer Niki Terpstra mit 31 Sekunden Rückstand auf die beiden Solisten.

Was die Zuschauer auf der alten Betonpiste im Vélodrome zu sehen bekamen, war eine große Show. Seite an Seite waren Cancellara und Vanmarcke ins voll besetzte Oval gefahren, ehe sie sich ausgiebig belauerten, das Tempo verzögerten und nach 5:45 Stunden schließlich noch einen kräftigen Schlusssprint ablieferten.

Der deutsche Hoffnungsträger John Degenkolb war da noch lange nicht im Ziel. Der Traum von einer Top-Ten-Platzierung erfüllte sich für den Thüringer nicht. Auch der Deutsch-Australier Heinrich Haussler musste weit vor dem Ziel in der französischen Arbeiterstadt abreißen lassen. Degenkolb gewann den Sprint eines dritten Verfolgerfeldes.

So nahm Cancellara nach der Tortur über die 27 staubigen Pavé-Sektoren aus der Zeit Napoleons seinen dritten Pflasterstein nach 2006 und 2010 als Siegerpokal in Empfang. Zugleich ist der Schweizer erst der zweite Fahrer nach Tom Boonen, dem zweimal das Double aus Flandern-Rundfahrt und Paris Roubaix gelang. Boonen war in diesem Jahr nicht am Start, nachdem der Belgier bei einem Sturz in der vergangenen Woche bei der Flandern-Rundfahrt einen Rippenbruch erlitten hatte.

Eine One-Man-Show wie in der Vorwoche auf den Straßen Flanderns war es von Cancellara aber nicht. Die Entscheidung fiel erst im Velodrome, wo der Schweizer das bessere Stehvermögen besaß. Womöglich lag es auch daran, dass Cancellara leicht angeschlagen ins Rennen gegangen war, nachdem er beim Scheldeprijs am Mittwoch und 24 Stunden später bei der Streckenbesichtigung gestürzt war. Nach dem Triumph lag er auf dem Rücken im Inneraum der Radrennbahn und atmete erst einmal kräftig durch. „Das war wie Roulette. Ich bin kaputt. Zum zweiten Mal das Double - das ist unglaublich“, freute sich Cancellara in einer ersten Reaktion.

40 Kilometer vor dem Ziel hatte eine entscheidende Selektion des Feldes stattgefunden, als sich eine 14-köpfige Spitzengruppe gebildet hatte. Deutsche Profis waren zu dem Zeitpunkt nicht mehr an vorderster Stelle vertreten. Zuletzt hatte in Steffen Wesemann im Jahr 2007 mit Platz drei ein deutscher Radprofi das Podest erreicht. Erster und einziger deutscher Sieger in Roubaix war Joseph Fischer bei der Premiere des Rennens 1896.

Cancellara war er als einziger RadioShack-Fahrer schon früh isoliert, während die Klassikermannschaft Omega Pharma-Quick Step noch mit drei Fahrern das Geschehen bestimmen konnte. Kurz darauf schien der große Favorit bereits geschlagen, als er kurzzeitig abreißen ließ. Womöglich war es aber nur eine taktische Raffinesse des Berners, denn kurz darauf fegte er mit kräftigem Tritt wieder durch das Feld und holte die Ausreißer fast im Alleingang ein. Pech hatte dabei der frühere Cross-Weltmeister Zdenek Stybar, der mit Cancellara und Vanmarcke aussichtsreich im Rennen lag, ehe er von einem Zuschauer touchiert wurde und aus dem Tritt geriet.

Während der Fahrt von Compiègne vor den Toren der französischen Hauptstadt Paris nach Roubaix war es immer wieder zu kleineren Stürzen gekommen. Im Vergleich zu früheren Auflagen des Rennens ging es aber geradezu harmlos zu, auch weil das Wetter mit Sonnenschein und Temperaturen um die zehn Grad mitspielte. (dpa)

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