Radsport-Chef McQuaid : ''Die Leute hier sind momentan etwas zu kritisch''

Die Radsport-Weltmeisterschaften in Stuttgart werden von Doping-Schlagzeilen überlagert. Für Pat McQuaid, den Präsidenten des Weltverbandes UCI, gehen die heimischen Veranstalter und Medien zu kritisch mit der Sportart um.

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UCI-Chef Pat McQuaid -Foto: dpa

Die Rad-WM in Stuttgart sollte ein Neuanfang werden. Nun herrschen zum Start wieder chaotische Zustände? Was sagen Sie dazu?



Manches davon ist von den Medien gesteuert, das hilft uns nicht. Jeder sollte sich jetzt etwas beruhigen. Hoffentlich können wir in den nächsten Tagen mehr über Radsport reden als die ganze Zeit über Doping.

Aber die juristischen Streitfälle Bettini, Valverde und di Luca sind doch nicht von den Medien gesteuert, sondern konkrete Vorkommnisse.

Es sind nicht nur die Medien, es ist der Radsport unserer Zeit. Es liegt an jedem Fahrer, seiner Verantwortung gerecht zu werden und zu verstehen, in welcher Situation sich der Radsport befindet. Wenn die Fahrer das nicht tun, wird das Chaos weitergehen.

Denken Sie, Deutschland ist im Anti-Doping-Kampf auf einem guten Weg?

Ich denke, Deutschland hat die richtige Annäherung, den richtigen Blick auf die Null-Toleranz-Politik in Sachen Doping. Ich denke aber, dass sie hier manchmal zu weit gehen. Die Leute hier sind momentan etwas zu kritisch. Sie sollten auch versuchen, dem Sport zu helfen, anstatt nur so kritisch und hart mit der Sportart umzugehen. Sie müssen verstehen, dass der Radsport alles tut, was er kann, um den Sport zu säubern. Wir brauchen zu einer Zeit wie dieser eher Unterstützung als bestimmte Mediengruppen, die sich vom Radsport entfernen. Der deutsche Radsport-Verband und Herr Scharping sind kritisch wie ich es bin, aber wir haben das gleiche Anti-Doping-Verständnis und versuchen beide, dem Sport zu helfen. Kritisch zu sein, ohne dem Sport zu helfen, ist nicht gut.

Was stimmt Sie trotz allem optimistisch für die Zukunft des Sports?

Weil ich weiß, welche Veränderungen bereits beschlossen worden sind für die Zukunft. Ich kenne die enorme Arbeit, die die Teams, die UCI, die Veranstalter leisten. Alle ziehen an einem Strang, alle sorgen dafür, dass der Kampf gegen Doping fruchtet. Ich kenne die neuen Methoden. Es wird immer schwieriger für die Fahrer zu dopen, das Risiko erwischt zu werden, größer und größer.

Wie sehen Sie dem Anti-Doping-Gipfel in Paris am 22./23. Oktober entgegen? Mit welchen Erwartungen gehen Sie in das Treffen kurz vor der Präsentation der Tour de France 2008?

Wir werden nach allen Seiten offen in das Treffen gehen. Alles, was hilfreich und nützlich für den Radsport in den kommenden Jahren ist, werden wir vom Management der UCI unterbreiten und für eine mögliche Umsetzung werben.

Was sagen Sie zu ihrem Streit mit dem Tour-Veranstalter Aso?

Im Moment ist unser Verhältnis nicht gut. Sie haben die ganzen Aussagen der Aso während der Tour gehört, in denen sie die UCI beschuldigt haben. Wir wollen den Konflikt mit der Aso beenden. Sie bekämpften die ProTour in den letzten zwei, drei Jahren. Ich habe am 5. September einen Brief von der Aso bekommen, dass sie 2008 nicht Teil der ProTour sein wollen. Mein Gefühl und das der UCI ist: Wir sollten ihnen geben, was sie wollen, um den Krieg zu beenden, und sie auf einen anderen Renn-Kalender setzen.

Also wird es vom kommenden Jahr eine Aufspaltung zwischen den ProTour-Rennen und den großen Rundfahrten geben?

Es wird die ProTour geben, an der wir für die kommenden Jahre arbeiten. Die Rundfahrten, die zu den drei Organisatoren gehören, werden zu einer Europa-Tour zusammengesetzt.

Wer soll während der Tour de France - falls sich die Aso und andere loslösen sollten - die Doping-Kontrollen durchführen?

Es wird ein UCI-Rennen des UCI-Kalenders sein. Also wird die UCI weiterhin das Anti-Doping-Programm umsetzen. Die Tatsache, dass die Tour nicht mehr zur ProTour gehören wird, bedeutet nur, dass sie auf einem anderen Renn-Kalender steht.

Interview: Benjamin Haller, dpa

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