Sport : Radsport: Das Zwölf-Tage-Rennen

Hartmut Moheit

Schauspieler Heinz Hoenig passt in kein Schema. Gestern Abend zeigte sich der Mann, der als "König von St. Pauli" und "Schattenmann" in harten Rollen glänzte, von seiner weichen Seite. Zwar hatte der 49-Jährige wieder einen geladenen Trommelrevolver in seiner rechten Hand, aber er präsentierte sich damit keinesfalls als Mann aus der Halbwelt. Assistiert von Schulsenator Klaus Böger und der Radlegende Gustav-Adolf (Täve) Schur, gab Hoenig den Startschuss zum 90. Berliner Sechstagerennen.

Für viele der 18 Teams fand allerdings nur ein Ortswechsel von Stuttgart nach Berlin statt. In der Nacht zuvor sprinteten sie noch in der Schleyer-Halle zum Sieg. Zu denen, die derzeit bei einem Zwölf-Tage-Rennen unterwegs sind, gehören auch die Sieger Silvio Martinello und Marco Villa aus Italien. Der 38-jährige Martinello ist nach seinem 24. Sieg nun erfolgreichster Sechstagefahrer Italiens. Sein 31-jähriger Partner Marco Villa stand bei Sechstagerennen bisher 17mal ganz oben - jedesmal mit Martinello. In Berlin wird das erfolgsreiche Duo, das bei den 87. und 89. Sixdays hier gewonnen hatte, allerdings nicht gemeinsam fahren. Martinello hat diesmal den Telekom-Straßenprofi Rolf Aldag an seiner Seite, Villa startet mit seinem Landsmann Adriano Baffi. Auf der Holzpiste im Velodrom zählen sie zum Kreis der Favoriten.

Für viele Radsportfans, von denen es in Berlin mehr gibt als anderswo, gilt ein Team jedoch als absoluter Geheimtipp: Andreas Kappes und Andreas Beikirch. Auch Mannschafts-Olympiasieger Guido Fulst aus Berlin, mit dem Australier Scott McGrory ebenfalls sehr hoch eingestuft, erwartet von den beiden Deutschen einiges. Fulst sagt: "Ein Top-Team, das Musik machen wird." Aber nicht nur sie. Da sind ja auch noch die beiden Schweizer Bruno Risi und Kurt Betschart, für die Berlin bisher noch nie erfolgreich verlief. Überall durften sie sich bereits Siegerkränze umhängen lassen, aber noch nie im Velodrom. Dass sie das im achten Rennen der Saison, vor allem jedoch beim 90. Jubiläumsrennen in Berlin ansteuern, versteht sich von selbst. Bisher haben die beiden Eidgenossen bei vielen Radsportfreunden Sympathien erobert Aber mehr eben nicht.

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