RADSPORT : Doping der Amateure

Der gesperrte Radsportler Philip Schulz, der 2008 positiv getestet wurde, hat seine Anschuldigungen ausgeweitet und dem Verband weitere Namen angeglicher Dopingsünder genannt.

Frank Bachner
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Arbeit für den Chef. Radverbands-Präsident Rudolf Scharping (hier bei Erik Zabels Abschied) ist wieder einmal mit dem Thema Doping...

Berlin - Gestern erhielt die Geschäftsstelle des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) Post und erfuhr damit auch offiziell, was die Verantwortlichen bereits aus dem Fernsehen wussten. Absender war der Amateurfahrer Philip Schulz. Der Mann, der im Mai 2008 positiv auf das Anabolikum Boldenon getestet und in erster Instanz zu zwei Jahren Sperre verurteilt wurde. Der Mann, der in der „ARD“-Sportschau und gestern ausführlicher in dem Magazin „Sport Inside“ heftige Anschuldigungen erhob. Er erklärte, dass ein Fahrer, der 2007 positiv auf das Hormon hCG getestet worden sei, von einem Mitarbeiter der BDR-Geschäftsstelle aufgefordert worden sei, „sich einen Befund über Hodenkrebs“ zu besorgen. Um einen Dopingfall zu kaschieren, denn ein erhöhter hCG-Wert könnte auch auf Hodenkrebs deuten.

Der angebliche Dopingfall ist wohl keiner

In seinem Schreiben bietet sich Schulz als Kronzeuge an. Als Gegenleistung erwartet er, dass in der Revisionsverhandlung sein Strafmaß reduziert wird. „Er beschuldigt zwei Senioren-Fahrer als Dopingsünder“, sagt Rudolf Scharping, der BDR-Präsident. Schulz’ Angaben würden nun geprüft. Allerdings habe Schulz „mit keinem Wort erwähnt, dass ein BDR-Mitarbeiter ihn zu diesem Attest geraten habe“. Von einem zweiten Zeugen, der das laut „ARD“ bestätigt habe, sei in dem Brief auch keine Rede.

Der angebliche Dopingfall vom Mai 2007 ist aber wohl keiner. „Ein erhöhter hCG-Wert wird von uns erstmal nur als atypischer Befund eingestuft“, sagt Hans Geyer vom Dopinglabor in Köln. Aber keinesfalls als Dopingvergehen. hCG stehe zwar auf der Dopingliste, weil es den Testosteronwert steigere, aber im Labor ist nicht nachzuweisen, ob das hCG künstlich zugeführt wurde oder ob es körpereigen ist. Das kann man nur mit weiteren Untersuchungen herausfinden. Das Labor selber empfahl diese Untersuchungen. „Der BDR hat sich daran gehalten und uns sofort informiert“, sagt Ulrike Spitz, die Pressesprecherin der Nationalen Anti-Doping-Agentur . Scharping erklärt, dass bei diesen weiteren Untersuchungen ein Arzt, „dessen Reputation außerhalb jeden Zweifels steht“, zu dem Ergebnis gekommen sei. „Dieser Wert ist medizinisch bedingt“, berichtet Scharping, „wir dürfen aufgrund dieses Ergebnisses gar nicht gegen den Athleten vorgehen.“ Schulz hatte jedoch auch erklärt, dieser Arzt sei mit dem betreffenden Fahrer befreundet.

Bei den Amateuren gibt es nur stichprobenartige Kontrollen

Der Amateurfahrer berichtet allerdings auch von Doping in der Amateurszene, wo es nur stichprobenartig Kontrollen gibt. Insider überrascht das nicht. Diese Szene gilt genauso als dopingverseucht wie der Profibereich. Ein früherer italienischer Amateur erzählte 2006, er habe Wachtumshormon, Epo und Testosteron verwendet. „In meinem Umfeld habe ich gehört, wie über synthetisches Hämoglobin und noch seltsamere Sachen gesprochen wurde.“ Einige Amateure hätten sich sogar unmittelbar vor dem Rennen gedopt, weil sie gewusst hätten, dass es keine Kontrolle gebe.

Der frühere französische Amateur Jean-Francois Casties erklärte, er habe während seiner aktiven Zeit „feststellen müssen, dass Doping zum Sport gehört und viele Sportler sich dopen“. Amphetamine seien „so normal gewesen, dass einige meiner Kollegen sie auch am Abend zum Ausgehen“ genommen hätten.

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