Radsport : Dopingarzt Fuentes: „Die Gesundheit ist zweitrangig“

Erstmals hat sich Eufemiano Fuentes, bei dem auch der ehemalige Radprofi Jan Ullrich Kunde gewesen sein soll, zu seinen Dopingpraktiken und Denkweisen geäußert. Von Reue gibt es aber keine Spur - ganz im Gegenteil.

HamburgEufemiano Fuentes, Schlüsselfigur im Dopingskandal um Radfahrer und andere Sportler, hat Einblicke über die Beweggründe seines Handelns und Kostproben seiner Denkweise gegeben. Leistungssport sei ein Zirkus, „in dem die Gesundheit der Athleten zweitrangig ist“. Das Doping sei „therapeutische Medizin“, sagte der spanische Gynäkologe in einem Interview mit dem Magazin „Stern“. Seine Aufgabe als Arzt habe Fuentes, bei dem auch der ehemalige Radprofi Jan Ullrich Kunde gewesen sein soll, darin gesehen, den Sportlern zu helfen, ihre Anstrengungen auszuhalten.

„Der Körper eines Radprofis ist nicht für drei Wochen Dauerbelastung geschaffen“, sagte Fuentes. Nur dürfe diese wichtige Arbeit kein Pfuscher übernehmen: „Beim Doping werden alle in einen Topf geworfen. Aber die Verordnung eines Mittels durch einen, der sich auskennt – das ist eine andere Sache.“ Auf einer vor dem Start der Tour de France 2006 in Spanien veröffentlichten Liste von mutmaßlichen Kunden des Arztes tauchten annähernd 200 Namen von Sportlern auf. Bisher sind lediglich etwa 50 Radprofis enttarnt und zum Teil gesperrt worden. Gegen Ullrich wird in diesem Zusammenhang auch juristisch ermittelt.

Bei dem Interview an seinem Wohnsitz auf Teneriffa ließ Fuentes, der vor Jahren bei der Tour de France Fahrer noch persönlich als fahrende Apotheke in seinem Porsche versorgte hatte, auch Anflüge von Größenwahn erkennen. „Vielleicht geben sie mir in 20 Jahren den Nobelpreis, vielleicht bauen sie mir ein Denkmal. Oder sie bringen mich um“, sagte Fuentes. Die spanische Justiz hat den Fall niedergelegt, weil das erst danach ratifizierte Anti-Doping-Gesetz noch nicht angewendet werden konnte. Allerdings läuft ein Einspruch der Staatsanwaltschaft gegen die Einstellung des Verfahrens. Kronzeuge Jörg Jaksche gehörte zum Patientenkreis von Fuentes und kannte ihn auch persönlich. Der Ansbacher Radprofi, der nach Ablauf seiner Doping-Sperre weiter ein Team für 2008 sucht, nannte den umstrittenen Mediziner „eigentlich seriös“. Allerdings hätte der Arzt einen „Hang zum Extrem“.

Fuentes fühlt sich von der spanischen Justiz, die ihn im Mai 2006 in Untersuchungshaft nahm, ungerecht behandelt: „Als sie mich festnahmen, durfte ich nicht mal meine Frau anrufen. Im Gefängnis wurde mir sogar der Ehering abgenommen! Auch die Unterwäsche zum Wechseln zogen sie ein. Ich war eingesperrt in eine Zelle ohne Fenster, ich wusste nicht, wie spät es ist.“ Gegen die Zahlung von 120 000 Euro wurde er freigelassen. (ctr/dpa)

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