Radsport : Ein Land ohne Tour

ARD und ZDF übertragen die Frankreich-Rundfahrt nicht mehr live – und auch Deutschlands größte Radveranstaltung ist abgesagt.

Mathias Klappenbach
Kohl
Nur noch abwärts. Der Österreicher Bernhard Kohl im Trikot des besten Bergfahrers bei der Tour de France. Er war gedopt.Foto: dpa

BerlinBerlin - Zum Ende einer erneut katastrophalen Saison häufen sich die schlechten Nachrichten im Radsport noch einmal, und nun sind auch schwerwiegende Konsequenzen für den deutschen Markt zu spüren. Am Ende eines Tages mit einer Fülle von Nachrichten kam gestern die wichtigste: Die Deutschland-Tour findet 2009 nicht statt. „Wir bedauern es, diese Entscheidung treffen zu müssen“, teilte Kai Rapp, der Geschäftsführer des Veranstalters, mit. Man sehe sich aufgrund der aktuellen Entwicklungen nicht in der Lage, die Deutschland-Tour erfolgreich zu vermarkten. Das Aus für die seit 1999 ausgetragene größte deutsche Radsportveranstaltung ist als unmittelbare Reaktion darauf zu verstehen, dass sich zuvor ARD und ZDF dafür entschieden hatten, nicht mehr live von der Tour de France zu berichten. Damit stand automatisch auch die übliche Übertragung der ARD von der Deutschland-Tour infrage, auch wenn darüber gestern nicht direkt entschieden wurde.

Als die Intendanten der ARD noch tagten, hatte eine andere Meldung für Aufsehen gesorgt. Jan Ullrich plane ein Comeback und trainiere bereits dafür, hatten einige Boulevardzeitungen gemeldet. „Diese ganze Spekulation ist Blödsinn“, sagte Ullrichs Manager Wolfgang Strohband auf Nachfrage. Michael Stehle, Geschäftsführer eines Werbepartners von Ullrich, hatte angeblich behauptet, dass Ullrich fleißig für ein Comeback trainiere und schon richtig fit sei. Stehle hatte 2007 in einer E-Mail im Namen Ullrichs Bundeskanzlerin Angela Merkel um ein Gespräch gebeten, in dem es um die „Rehabilitierung der Reputation“ Ullrichs gehen sollte. Die Kanzlerin sagte ab, Stehles Firma aber war in den Medien. Darauf angesprochen sagte Manager Strohband gestern: „Es hat mich gewundert, dass es der Name von Stehles Firma gar nicht in die Artikel geschafft hat.“ Michael Stehle war gestern nicht zu erreichen. In seinem Büro hieß es, er fühle sich falsch zitiert und hätte lediglich gesagt, dass er es als Geschäftspartner begrüßen würde, wenn Ullrich wieder fahre. Ullrich selbst hatte vor zwei Wochen ein Comeback kategorisch ausgeschlossen. „Eine Rückkehr kommt für mich nicht in Frage. Wenn Ullrich einmal sagt, er hört auf, dann ist das auch so“, hatte er eurosport.de gesagt.

Andere dopingbelastete Radprofis wie Lance Armstrong und Ivan Basso kehren demnächst zurück, als Grund für ihren Ausstieg nannte die ARD aber den gesunkenen „programmlichen Wert“ wegen der vielen jüngsten Dopingfälle. Das ZDF schloss sich dieser Haltung an.

Zuletzt war im Blut von Stefan Schumacher und Bernhard Kohl bei nachträglichen Tests von der Tour de France das Blutdopingmittel Cera gefunden worden. Nach zwei Tagen des Leugnens gab Kohl am Mittwochabend mit feuchten Augen im österreichischen Fernsehen zu, gedopt zu haben. „Ich bin der Versuchung erlegen, weil der Erfolgsdruck unglaublich groß gewesen ist“, sagte Kohl. „Ich bin nur ein Mensch und bin in einer Ausnahmesituation schwach geworden.“ Er habe bei der Tour zum ersten Mal in seiner Karriere gedopt.

Kohl entlastete den Chef seines Teams Gerolsteiner, Hans-Michael Holczer, der nach den Fällen Schumacher und Kohl seinen Rückzug aus dem Radsport verkündet hatte. „Holczer wusste von gar nichts“, sagte Kohl.

Medien Seite 31

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