Radsport : Ex-Telekom-Profi gesteht Doping

Als erster ehemaliger Fahrer aus dem Team Telekom hat der frühere Radprofi Bert Dietz Doping-Vorwürfe gegen den Rennstall bekräftigt. Er könnte damit eine Lawine losgetreten haben.

Hamburg - In der ARD-Sendung "Beckmann" outete sich Dietz selbst als Doping-Sünder und belastete die Teamärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid schwer. "Die Ärzte haben, wenn sie selbst vor Ort waren, selbst gespritzt. Wenn sie nicht vor Ort waren, haben es die Pfleger gemacht, also Jef d'Hont", sagte Dietz. Der frühere Team-Masseur d'Hont hatte die Freiburger Teamärzte zuvor bereits in einem Enthüllungsbuch beschuldigt, an organisiertem Doping in großem Stil mitgewirkt zu haben.

Dietz fuhr zwischen 1994 und 1998 für den T-Mobile-Vorgänger Team Telekom und in dieser Zeit auch an der Seite des Tour-de-France-Gewinners von 1997, Jan Ullrich.

Die Ärzte Heinrich und Schmid, die von T-Mobile Anfang des Montas nach der Einleitung von Ermittlungen durch die Freiburger Staatsanwaltschaft suspendiert wurden, hätten ihm 1995 eine Anleitung zum Blutdoping-Mittel Epo gegeben, erklärte Dietz: "Und wenn wir vorne mitfahren wollen, müssten wir wahrscheinlich dieses neue Mittel probieren", hätten sie im Trainingslager auf Mallorca erläutert. "Es wurde groß erklärt, welche Wirkungen und welche Nebenwirkungen und welche Risiken bestehen. Dann war die Entscheidung im Prinzip, dass wir das machen", sagte Dietz.

Auf die Frage von Moderator Reinhold Beckmann, ob die Teamärzte den Gebrauch von Epo angeordnet oder angeboten hätten, antwortete Dietz: "Sie haben es angeboten, aber natürlich in so einer Form, dass es jeder wusste: Wenn ich es jetzt nicht nehme, habe ich wahrscheinlich am Jahresende so schlechte Ergebnisse, dass mein Vertrag nicht verlängert wird. Es war schon eindeutig, ja."

Dietz bekräftigt Vorwürfe von Team-Masseur d'Hont

Entsprechende Vorwürfe hatte zuvor bereits der frühere Team-Masseur d'Hont erhoben, der von 1992 bis 1996 beim Team Telekom gearbeitet hatte. Der Belgier berichtet in seinem Enthüllungsbuch, dass beim Team Telekom das Blutdoping-Mittel Epo intensiv zur Leistungssteigerung eingesetzt worden sei. Die Vorwürfe richten sich auch gegen Ullrich und den früheren Team-Kapitän Bjarne Riis, die damals bei den Bonnern unter Vertrag standen, sowie gegen den damaligen Manager Walter Godefroot. Bei der Tour de France 1996 sollen der Sieger Riis und der Zweite Ullrich gedopt gewesen sein.

Auch die beiden beschuldigten Team-Ärzte bestreiten die Vorwürfe, haben bisher von gerichtlichen Schritten gegen d'Hont aber abgesehen. Eine externe Untersuchungs-Kommission nimmt die möglichen Verstrickungen der Mediziner und der Uni-Klinik unter die Lupe.

Der 38-jährige Dietz feierte einen seiner größten Profi-Erfolge mit einem Etappengewinn bei der Spanienrundfahrt Vuelta 1995. Zwei Jahre zuvor wurde Dietz deutscher Amateur-Straßenmeister. Nach seinem Engagement beim Team Telekom wechselte er 1998 zum Team Nürnberger. Im Oktober 2000 beendete Dietz ohne die erhoffte Teilnahme an der Tour de France seine aktive Karriere.

Ullrich streitet Verstrickung in Doping-Affäre ab

Ullrich hat bisher stets alle Doping-Vorwürfe zurückgewiesen. "Ich habe in meiner Karriere nicht betrogen und niemanden geschädigt", hatte der Tour-de-France-Sieger von 1997 bei seinem Rücktritt am 26. Februar gesagt. Wiederholt stritt Ullrich auch eine Verstrickung in die Doping-Affäre um den spanischen Mediziner Eufemiano Fuentes ab.

In der Vorwoche hatte die "La Gazzetta dello Sport" berichtet, dass sich Ullrich, sein Rivale Ivan Basso und der mutmaßliche Dopingarzt Fuentes vor dem Giro d'Italia 2006 in Freiburg getroffen haben. Neun Beutel Blut - insgesamt 4,5 Liter -, die bei Fuentes sichergestellt worden sind, wurden per DNA-Test Ullrich zugeordnet. Basso hat mittlerweile "versuchtes Doping" zugegeben, was aber genauso eine zweijährige Sperre nach sich ziehen kann. (tso/dpa)

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