Radsport : Gerolsteiner steigt als Sponsor aus

Schwerer Rückschlag für den deutschen Profi-Radsport: Der Mineralwasser-Hersteller Gerolsteiner wird sein Engagement nach der Saison 2008 beenden.

Michael Ostermann[dpa]

Gerolstein/Prag"Wir werden unseren Vertrag bis 2008 erfüllen, nehmen aber die Option eines weiteren Engagements nicht wahr", erklärte Konzernsprecher Jörg Crosek mit Leichenbittermine am Firmensitz in Gerolstein. Der Grund für die Entscheidung sei rein wirtschaftlich. Die Vorlieben der Abnehmer haben sich wegen einer Produkt-Erweiterung geändert und damit auch die Marketing-Strategien. "Der Radsport spielt in der Faszination unserer Konsumenten leider nur noch eine untergeordnete Rolle", sagte Crosek, der offiziell anmerkte: "Die Doping-Ereignisse haben bei unserer Bewertung nicht die ausschlaggebende Rolle gespielt."

Von 2009 an muss sich nun Manager Hans-Michael Holczer, bei dem die Fahrer und das übrige Team-Personal - insgesamt 52 Personen - angestellt sind, einen neuen Sponsor suchen. Erste Kontakte hat Holczer bereits geknüpft. "Ich werde noch in diesem Monat weitere Gespräche führen. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt als jetzt in den Radsport einzusteigen, denn so chaotisch wird es nie mehr. Ich biete ein glaubwürdiges Team mit einer der besten Infrastrukturen in der ProTour", sagte der ehemalige Mathematik-Lehrer und rührte bereits die Werbetrommel. Der nationale Radsport-Konkurrent T-Mobile hatte sich trotz der Doping-Problematik entschlossen, bis 2010 weiterzumachen und diese Entscheidung am 9. August mitgeteilt.

Viele deutsche Hoffnungsträger im Team

Das mittelständische Unternehmen Gerolsteiner mit einem Jahresumsatz von rund 200 Millionen Euro investiert pro Saison geschätzte neun Millionen Euro in den Profi-Radsport und tritt seit 1998 als Geldgeber auf. An der Spitze des von Holczer geleiteten Teams stehen die Hoffnungsträger Stefan Schumacher (Nürtingen), Fabian Wegmann (Freiburg), Markus Fothen (Kaarst) und Robert Förster (Markkleeberg) neben den Routiniers Davide Rebellin (Italien) und Sebastian Lang (Erfurt).

Denkbar ist das Szenario, dass Holczer schon für kommendes Jahr einen Co-Sponsor mit ins Boot holt, der dann ab 2009 das Ruder übernimmt. "Wir werden der Entwicklung des Teams keine Steine in den Weg legen", sagte Crosek. Bei der Entscheidungs-Findung im Konzern hätten alle Studien ergeben, dass die Mannschaft als Hoffnungsträger im deutschen Radsport in der Öffentlichkeit wahrgenommen werde. "Das Team steht für Teamgeist, Fairness und Ehrlichkeit". Die glaubwürdige Anti-Doping-Haltung Holczers gepaart mit dem Image des Teams böte laut Crosek für Vertragverhandlungen eine "hervorragende Ausgangs-Position".

Auch Gerolsteiner wegen Dopings in den Schlagzeilen

Holczer zählt international zu den Vorreitern im Anti-Doping-Kampf. Er ist Mit-Initiator der Bewegung von acht ProTour-Teams für einen "neuen Radsport". Diese Vereinigung MPCC hatte sich während der Tour de France 2007 gebildet. Allerdings stand auch das Team Gerolsteiner mehrmals wegen Dopings in den Schlagzeilen: Danilo Hondo (Cottbus) wurde 2005 positiv auf das Mittel Carphedon getestet und danach entlassen, Rebellin wurde in Italien in einem Doping-Prozess freigesprochen. Die sportlichen Leiter Christian Henn und Udo Bölts hatten wie andere ehemalige Telekom-Fahrer Epo-Missbrauch zu Zeiten ihrer aktiven Karriere gestanden. Während sich Bölts von seinem Amt danach zurückzog, behielt Henn das Vertrauen der Teamleitung.

Laut Holczer hätten die Fahrer auf die Nachricht aus der Vulkaneifel "gelassen reagiert". Holczer: "Sie verlassen sich auf ihren Ersatz-Papa." 2008 laufen die Verträge von Fothen und weiteren 18 Fahrer aus. Schumacher, der am 30. September in Stuttgart auf den WM-Titel spekuliert, hat noch einen Kontrakt bei Holczer bis 2009. Sein "Team-Produkt" könnte der Manager Interessenten für rund acht Millionen Euro pro Saison anbieten, hatte Holczer schon während der Deutschland-Tour vorgerechnet. Heute sagte er: "Ein kleiner Abschlag würde uns nicht treffen."

Die tschechische VW-Tochter Skoda erklärte, man habe über eine mögliche Verlängerung des auslaufenden Engagements noch nicht entschieden. Der Konzern mit Sitz in Prag ist offizieller Partner der Tour de France. Die Deutschland-Tochter des Unternehmens unterstützt das Team Gerolsteiner.

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