Radsport in Trümmern : Lance Armstrong: Die monströse Aura des Königs der Doper

12.10.2012 11:31 Uhrvon
  • Lance Armstrong ist all seine Titel los, sie wurden ihm offiziell aberkannt. Als Sieger würden nachträglich wohl die jeweiligen Zweitplatzierten in die Geschichtsbücher eingehen - die jedoch ebenfalls unter Dopingverdacht stehen. Foto: dpa
    Lance Armstrong ist all seine Titel los, sie wurden ihm offiziell aberkannt. Als Sieger würden nachträglich wohl die jeweiligen Zweitplatzierten in die Geschichtsbücher eingehen -... - Foto: dpa
  • 1999 wurde Alex Zülle Zweiter hinter Armstrong. Im Jahr zuvor hatte der Schweizer jedoch im Zuge der Festina-Affäre die Einnahme verbotener Substanzen zugegeben und war daraufhin für ein halbes Jahr gesperrt worden. Foto: dpa
    1999 wurde Alex Zülle Zweiter hinter Armstrong. Im Jahr zuvor hatte der Schweizer jedoch im Zuge der Festina-Affäre die Einnahme verbotener Substanzen zugegeben und war daraufhin... - Foto: dpa
  • Jan Ullrich (l.) , Tourzweiter in den Jahren 2000, 2001 und 2003, wurde nach jahrelangem Rechtsstreit um die sogenannte spanische Doping-Affäre vom internationalen Sportgerichtshof CAS zu einer zweijährigen Sperre verurteilt. „Ich weiß, wie damals die Reihenfolge auf der Ziellinie war“, ließ Ullrich am Freitag über seinen Berater ausrichten. Im Übrigen sei er auch auf seine zweiten Plätze „extrem stolz“. Foto: dpa
    Jan Ullrich (l.) , Tourzweiter in den Jahren 2000, 2001 und 2003, wurde nach jahrelangem Rechtsstreit um die sogenannte spanische Doping-Affäre vom internationalen Sportgerichtshof... - Foto: dpa

Lance Armstrong hat auf seinem Rennrad alle Grenzen überfahren und sämtliche Rekorde gebrochen – nun kommt ein letzter, sein bleibender, Titel hinzu: König des Dopings. Robert Ide über das bleibende Bild von Lance Armstrong.

Die jetzt veröffentlichten Ermittlungsergebnisse der US-Fahnder lassen den einstigen Modellathleten im gleißenden Zwielicht des systematischen Betruges erscheinen und geben dem Menschen Lance Armstrong eine Aura der Monströsität, wie sie wohl vor ihm keinen Spitzensportler umweht hat. Armstrong, dem mit der Aberkennung seiner sieben Tour-de-France-Titel noch eine vergleichsweise geringe Strafe für jahrelanges kriminelles Tun erwartet, hat mit Hilfe seiner Vasallen auf und neben der Straße und unter der Aufsicht willfähriger Mediziner ein Dopingnetzwerk entsponnen, das längst nicht entworren ist.

1000 Aktenseiten mit erdrückenden Beweisen, nachholende Dopinggeständnisse zahlreicher Teamkollegen, nachgewiesene Zahlungen von mehr als einer Million US-Dollar an den Dopingarzt Michele Ferrari, manipulierte Dopingtests, verdeckte Spenden an den Radsport-Weltverband UCI, der seinem Star beim Verschleiern half – das sind die Rahmendaten einer Affäre, die den gesamten Radsport aus dem Sattel wirft.

Die Ermittlungsergebnisse der US-Dopingbehörde, deren Untersuchung von der UCI stets torpediert wurden, erzählen nicht nur vom persönlichen Fall einer Sportlegende und dessen Scheitern an der eigenen Hybris. Armstrong ist auch ein Modellfall für den Selbstbetrug, dem sich Sportverbände allzu gerne unterwerfen – dem Selbstbetrug eines sauberen Sports mit ein paar schlimmen Ausnahmen. Im organisierten Radsport ist organisiertes Doping zum integralen Bestandteil des Systems geworden: Ohne Doping konnte man offenbar jahrzehntelang keine Titel gewinnen. Ein Neuanfang kann mit den teilweise alten Figuren in den Teams und im Weltverband nicht gelingen. Wer kann glauben, dass die Netzwerke hinter den über die Ziellinie rollenden Erben von Lance Armstrong und Jan Ullrich aufgehört haben zu arbeiten?

Die Akte Armstrong zeichnet nicht nur das Sittengemälde eines Mannes, der sich angesichts seines bewunderten Comebacks nach einer Krebserkrankung zum moralischen Helden aufschwang und gleichzeitig bei jeder Fahrt die Fairness mit Füßen trat. Die Akte Armstrong zeigt auch eine Sportart, die in sich selbst verharrt und dabei nicht wahrhaben will, dass sie in Trümmern liegt.

Umfrage

Wer gewinnt die Champions League 2012/13?

Bald geht es los: Die Paralympics-Zeitung lud zum Vorbereitungsworkshop in Großbritannien.  20 Schülerinnen und Schülern aus ganz Deutschland, der Schweiz, Nordirland, Wales und England, hatten beim internationalen Schreibwettbewerb für das Jungreporterteam der Paralympics-Zeitung gewonnen. Foto: Thilo Rückeis

Medaillen und mehr: Schülerreporter der Paralympics Zeitung berichten von den Spielen in London 2012.

Paralympics 2012
Service

Weitere Themen