Radsport : Landis' Tour-Titel aberkannt

"Floyd Landis ist für uns nicht der Sieger der Tour de France 2006", sagte Tour-Direktor Christian Prudhomme. Derweil brach Jan Ullrich sein Schweigen - er wird zum zweiten Mal Vater.

Berlin - Der Radsport kommt einen Tag vor dem Start des Giro d'Italia nicht aus den Doping-Schlagzeilen heraus. Die Antidoping- Kommission des Nationalen Olympischen Komitees Italiens (Coni) erwartet von Ivan Basso noch weit reichende Aussagen bei der Aufklärung der Dopingaffäre um Eufemiano Fuentes. "Er wirkt auf mich wie jemand, der noch viel machen und sagen will", erklärte der Chef der Antidopingkommission, Ettore Torri.

Unterdessen wollen die Organisatoren der Tour de France nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" den Namen Landis aus ihrer Siegerliste streichen. "Floyd Landis ist für uns nicht der Sieger der Tour de France 2006", sagte Tour-Direktor Christian Prudhomme. Der Name Landis werde auch nicht in den Annalen der Tour wie dem "Guide Historique" erscheinen. Diese Entscheidung machte Prudhomme nicht davon abhängig, was die Anhörung des positiv getesteten Landis bei der amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA vom kommenden Montag an ergibt und welche Entscheidung der Radsport- Weltverband Uci treffen werde.

Dopingexperte: gegen Ärzte vorgehen

Während Jan Ullrich nach vierwöchigem Schweigen auf seiner Homepage mitteilte, dass er zum zweiten Mal Vater wird, hat Anti- Dopingexperte Werner Franke erneut gefordert, für das Doping verantwortliche Mediziner auch in Deutschland zur Verantwortung zu ziehen. Anders als in den USA habe in Deutschland "noch nie ein Sportmediziner wegen solcher Vergehen eine Zahnbürste einpacken und in den Knast" gehen müssen, sagte Franke in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". Der gedopte Athlet stehe "immer am Ende" der Machenschaften. Auch Jan Ullrich sei ein "Verführter des Systems".

Drei Stunden lang hatte Giro-Vorjahressieger Basso erneut Rede und Antwort gestanden. "Wir wollten einige seiner Aussagen klären, die im Widerspruch zu den Ermittlungsergebnissen der Operacion Puerto standen", sagte Torri. Sowohl Basso als auch Michele Scarponi hätten "nützliche Hinweise zur Identifikation eines italienschen Arztes" gegeben, der sie zu Fuentes gebracht habe.

Wie die "La Repubblica" in Rom berichtet, soll es sich um Luigi Cecchini handeln, mit dem auch schon Ullrich zusammengearbeitet haben soll. Der Name Cecchini war bereits mehrfach bei Dopingermittlungen aufgetaucht. Das gilt auch für Alessandro Kalc, einen Betreuer, der "Blutbote" genannt wird, und die Blutbeutel von Fuentes den Fahrern zugestellt haben soll. Kalc war ebenfalls vor das Coni geladen, soll sich zu den erdrückenden Beweisen aber nicht geäußert haben. Seine Anhörung ist auf den 16. Mai vertagt worden.

Landis soll Armstrong belasten

Die Usada soll nach Landis-Angaben versucht haben, über ihn an Dopingbeweise gegen den siebenmaligen Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong heranzukommen. Wie der 31-jährige ehemalige Teamkollege von Armstrong auf einer Pressekonferenz in Los Angeles erklärte, bot ihm die USADA dafür "die kürzeste Strafe an, die je ein Athlet bekommen hat", falls er Informationen preisgebe, die Armstrong des Dopings überführen würden. "Dieses Angebot ist so schwachsinnig und sagt alles über die Strafsache aus. Auf so etwas antworte ich nicht einmal", sagte Landis, der noch gegen die Aberkennung seines Tour-Sieges und die drohende Sperre von zwei Jahren kämpfen will.

Auf Usada-Wunsch waren unlängst sieben Proben, die im Vorjahr bei der Tour negativ waren, noch einmal im Pariser Labor mit exakteren Methoden untersucht und als positiv identifiziert worden. Landis streitet Doping ab und unterstellt dem Labor Schlamperei und Verfahrensfehler. (tso/dpa)

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