Radsport : "Moped-Affäre" - ein schlechter Scherz?

Der Schweizer Radprofi Fabian Cancellara wird mit einer obskuren Manipulation in Verbindung gebracht. Der Olympiasieger soll zwei Rennsiege mit Hilfe eines verstecken Hilfsmotors erreicht haben. Cancellaras Team ist empört über die Anschuldigungen. An der Geschichte sei nichts wahr.

Fabian Cancellara.
Fabian Cancellara.Foto: dpa

Das Team Saxo-Bank ist verärgert über die vermeintliche "Moped-Affäre", Linus Gerdemann denkt eher an einen verspäteten Aprilscherz. "Ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen. Ich kenne Cancellara und weiß, was für ein Topfahrer er ist und was er als bester Zeitfahrer der Welt für Fähigkeiten hat", sagte der Milram-Kapitän über seinen Konkurrenten Fabian Cancellara. Der Schweizer wurde durch einen Beitrag des italienischen Fernsehens mit einer obskuren Manipulation in Verbindung gebracht.

Bei seinen eindrucksvollen Erfolgen bei der Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix soll dem Schweizer Olympiasieger ein mit Batterien betriebener Elektromotor, versteckt im Sattelrohr, Beine gemacht haben. Cancellaras Teamchef Bjarne Riis nennt den bei "YouTube" inzwischen 1,4 Millionen mal angeklickten Filmbeitrag des italienischen Ex-Profis und TV-Kommentatoren Davide Cassani "eine Fiktion, die als Dokumentation getarnt ist".

Darin wird der Spezialmotor vorgestellt und vorgeführt. Bilder von Cancellaras fulminanten Attacken bei seinen beiden Klassiker-Siegen im April sollen Beleg für den außerordentlichen Betrug sein, der den Rahmen alles bisher dagewesenen in der Problembranche Radsport sprengen würde. Cancellara ("Schwachsinn") und sein Team weisen die Anschuldigungen weit von sich.

UCI: "Es gibt keinen Fall Cancellara"

Immerhin ist der Weltverband UCI, für den Manipulationen von Radprofis auf medizinischem Gebiet zum Tagesgeschäft gehören, tätig geworden. Für kommenden Montag ist ein Treffen mit Vertretern der Rad-Industrie vereinbart. Allerdings bekräftigte UCI-Chef Pat McQuaid: "Es gibt keinen Fall Cancellara." Trotzdem würden schon bei der kommenden Tour de France die Dienstfahrzeuge der Profis gescannt, um "Rad-Doping" auszuschließen.

Ein Motor-System, das dafür entwickelt wurde, schlappen Hobbyradfahrern das Strampeln zu erleichtern, wird von einer österreichischen Firma unter dem Namen "Gruber-Antrieb" hergestellt, Ein Knopfdruck am Bremshebel aktiviert den zusätzlichen Anschub, der laut Firmenwerbung "rund 100 Prozent Leistungssteigerung für mindestens 45 Minuten" bringt.

Der Hersteller verspricht: "Ein Druck auf den Turbo-Knopf und das Brennen in den Oberschenkeln verschwindet - der gesunde Schweiß jedoch bleibt." Aber Achtung: "Der Antrieb besitzt keine Abregelung bei 25 km/h und ist daher nicht für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen." Ein Firmenvertreter erklärte der Online-Ausgabe der Schweizer Zeitung "20 Minuten", niemals von Teams oder Radprofis kontaktiert worden zu sein oder Teile an sie verkauft zu haben.

Jede Form von Betrug liege Saxo Bank fern, hieß es in einer Erklärung des dänischen Teams. "An der Geschichte ist nichts Wahres. Es gibt und gab niemals ein Saxo-Bank-Rad, das mit einem Motor versehen war. Wir sind zutiefst besorgt darüber, wie Cancellaras Integrität, Charakter und Fähigkeiten in Zweifel gezogen werden. Er besitzt unglaubliche Fähigkeiten, ist ein echter Profi und Champion. Seine Siege sind das Resultat von Hingabe, harter Arbeit und Bereitschaft zur Aufopferung", lautete die Stellungnahme seiner Equipe, die bei der am 3. Juli beginnenden Tour in Andy Schleck einen Mitfavoriten stellt. (dpa)

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