Radsport : Quick-Step wehrt sich gegen Doping-Vorwürfe

Das Tour-de-France-Team sieht sich wenige Tage vor dem Start mit sehr konkreten Anschuldigungen des Kronzeugen Patrik Sinkewitz konfrontiert. Das Protokoll seiner Aussage hatte eineinhalb Jahre bei der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada herumgelegen.

Mathias Klappenbach

Berlin - Es ist ein kompliziertes Dasein, das Kronzeugen führen, und ebenso verhält es sich mit ihren Aussagen. Am Tag, nachdem in der ZDF-Sendung „Frontal 21“ detaillierte Doping-Anschuldigungen des geständigen Radprofis Patrik Sinkewitz aus dem Jahr 2007 bekannt wurden, geht das beschuldigte Team Quick-Step in die Offensive. Man sei „schockiert“ über den „falschen und verleumderischen“ Inhalt der Sendung und werde rechtliche Schritte einleiten.

Sinkewitz hatte in einer Vernehmung der Welt-Anti-Doping-Agentur bereits 2007 ausgesagt, dass von 2003 bis 2005 systematisch bei Quick-Step gedopt worden sei, das war bekannt. Jetzt wurde bekannt, dass er namentlich Teamchef Patrick Lefévère und den Teamarzt Manuel Rodriguez Alonso beschuldigt. Das Protokoll hatte eineinhalb Jahre bei der Wada, die den Wert von Kronzeugen für ihre Arbeit als hoch einstuft, herumgelegen, bevor es erst jetzt dem Welt-Radsportverband UCI zugestellt wurde. Die Wada teilte gestern mit, dass sie noch auf weitere Erkenntnisse habe warten wollen.

Quick-Step fühlt sich verfolgt von „Frontal 21“, weil das Magazin kurz vor der WM 2007 einen Bericht ausstrahlte, laut dem der Weltmeister Paolo Bettini Sinkewitz mit Dopingmitteln versorgt habe. Bettini klagt gegen „Frontal 21“. Sinkewitz’ Aussagen haben zumindest zunächst keine Konsequenzen, ebenso wenig wie seine Anschuldigungen gegen Andreas Klöden, aufgrund derer der deutsche Profi im Abschlussbericht zum Doping in der Uniklinik Freiburg belastet wird. Klöden und Quick-Step werden natürlich bei der Tour de France starten.

Sinkewitz war Kollege von Klöden beim Team T-Mobile gewesen. Er war von Quick-Step gekommen, wo er sich wegen seines Wechsels mit Lefévère überworfen hatte. Seine Aussagen sind zwar glaubhaft, aber manchmal können Kronzeugen auch alte Rechnungen begleichen. Um mehr herauszufinden, müsste man die Vergangenheit zumindest einmal untersuchen. Das kann sich lohnen: Gestern wurde der niederländische Profi Erik Dekker des Epo-Dopings überführt. Bei einer Nachkontrolle von Proben aus dem Jahr 2007. Mathias Klappenbach

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