Radsport : Radprofis empört über Dopingliste aller Tour-Starter

Deutschlands Radprofis sind in Aufruhr. Der Weltverband UCI hat namhafte einheimische Fahrer sowie Profis anderer Nationen bei der Tour de France 2010 auf eine interne Doping-Verdachtsliste gesetzt.

Paris - Das Geheim-Papier der UCI, das alle Namen der Teilnehmer der Tour des vergangenen Jahres umfasst, veröffentlichte die französische Sportzeitung „L’Équipe“ am Freitag. Der Weltverband bestätigte die Existenz der Liste und kündigte eine Untersuchung an, wie die internen Informationen an die Öffentlichkeit gelangten. „Wir suchen die undichte Stelle“, teilte der Verband mit.

Alle 198 Tourstarter des Vorjahres waren nach einem Punktsystem von null (kein Dopingverdacht) bis zehn (sehr starker Verdacht) beurteilt worden. Der deutsche Sprinter Danilo Hondo, nach einer Dopingsperre seit 2007 wieder startberechtigt und beim Team Lampre in Italien beschäftigt, wurde mit acht Punkten bewertet. Er wies die Verdächtigungen zurück. „Es geht um Rufschädigung“, sagte Hondo. „Ich kann für mich nur sagen, dass meine Werte gleichbleibend und unauffällig waren.“ Jens Voigt war „sauer“, dass er zwei und nicht null Punkte aufwies. Grundlagen der Klassifizierungen waren die Werte der Blutpässe der Profis und die Ergebnisse der obligatorischen Untersuchung aller Teilnehmer unmittelbar vor Tourstart. Der 39-jährige Voigt hält die Liste „für nicht so bedeutend, wie sie erscheinen mag. Meine Werte waren immer korrekt.“ Null Punkte und damit eine Einstufung als unverdächtig erhielten unter anderem der zweifache Deutsche Meister Fabian Wegmann und der frühere Zeitfahr-Weltmeister Bert Grabsch sowie der mehrfache Zeitfahr-Weltmeister und Olympiasieger Fabian Cancellara aus der Schweiz. Der dreifache Toursieger Alberto Contador kam auf fünf Punkte.

Die Existenz des Doping-Rankings sei laut Tour-Direktor Christian Prudhomme „der Beweis, wie ernst es dem Radsport in seinem Anti-Doping-Kampf ist“. (dpa)

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