Radsport : Spanische Doping-Fahnder verdächtigen Jan Ullrich

Nach einem Bericht der Tageszeitung "El País" hat die spanische Polizei mehrere Schriftstücke und andere Indizien gefunden, die T-Mobile- Profi Jan Ullrich in Dopingverdacht bringen. Der weist unterdessen alle Vorwürfe zurück.

Madrid - Der deutsche Radrenn-Profi Jan Ullrich steht einem Zeitungsbericht zufolge im Blickpunkt spanischer Ermittler, die ihn des Dopings verdächtigen. Die Polizei habe Visitenkarten und andere Schriftstücke mit verschlüsselten Namen gefunden, die sich möglicherweise auf den 32-jährigen Ullrich beziehen, berichtete die spanische Tageszeitung «El País» am Montag. Auf der Visistenkarte eines verdächtigen Labormanagers seien handschriftlich der Name «Hijo Rudicio» («Rudicios Sohn») und mehrere Zahlen vermerkt gewesen. Der Codename Rudicio beziehe sich nach Einschätzung der Ermittler auf den Belgier Rudy Pevenage, Ullrichs langjährigen Berater und sportlichen Ziehvater, die Zahlen auf manipulierte Blutproben des deutschen Rennprofis.

Zudem hätten die Ermittler Hinweise auf drei Blutproben gefunden, die mit dem Namen JAN gekennzeichnet gewesen seien, berichtete «El País». Der verdächtige Vermerk stamme von Juni 2004. «Vor zwei Jahren waren die Sicherheitsvorkehrungen der Organisation noch nicht so streng, und die Namen der Radprofis standen direkt auf den Proben.» Der Name Jan habe auch auf mehreren Quittungen für Dopingmittel im Wert von über 1900 Euro gestanden, welche die Ermittler gefunden hätten.

Spanische Medien hatten in den vergangenen Wochen wiederholt berichtet, dass Ullrich zu den Kunden des spanischen Arztes Eufemiano Fuentes gehöre, der als Drahtzieher des Dopingnetzes gilt und im Zuge der Ermittlungen festgenommen wurde. Ullrich hatte Ende Mai bestritten, mit dem Arzt in Verbindung zu stehen. Sein Teamkollege Oscar Sevilla von T-Mobile sagte laut «El País» jedoch zu seinen Rennsportkollegen: «Wenn sie mich rauswerfen, müssen sie Ullrich auch rauswerfen, er steckt auch mit drin.»

Radprofi Jan Ullrich und der Sportliche Leiter des Bonner Rennstalls Team T-Mobile, Rudy Pevenage, haben die Vorwürfe unterdessen zurückgewiesen. «Ich habe nichts mit der Sache zu tun», wird Jan Ullrich auf der Homepage zitiert. Der 32-jährige gebürtige Rostocker hatte bereits während des Giro d'Italia eine Verstrickung in den Skandal dementiert. «An den Vorwürfen ist absolut nichts dran», sagt auch Pevenage.

Bei T-Mobile nimmt man die Lage ernst. «Das sind schwere Vorwürfe. Wir sind in Kontakt mit allen Beteiligten, neben Ullrich und Pevenage auch mit den spanischen Ermittlungs-Behörden und der Tour-Organisation ASO», sagt Christian Frommert, Leiter Sportkommunikation T-Mobile International. «Wir untersuchen, wie es zu diesen Vermutungen kommt. Bislang liegt uns ein Zeitungsartikel vor. Die Fakten- und Beweislage ist im Moment völlig unklar», so Frommert weiter.

Nachdem der spanische T-Mobile-Fahrer Oscar Sevilla Ende Mai im Zusammenhang mit der Affäre genannt worden war, hatte sich die T-Mobile-Teamleitung von allen 29 Profis eine schriftliche Erklärung geben lassen, nichts mit dem verhafteten spanischen Mediziner Eufemiano Fuentes zu tun zu haben, berichtet der Bonner Rennstall weiter. (tso/dpa/AFP/ddp)

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