Radsport : Streit ums Velodrom

Der Berliner Radsport fordert mehr Trainigszeiten. Ein Gespräch mit Senat und Betreiber soll das nun klären.

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Derzeit geht es wieder rund im Velodrom. Bis Sonntag fahren hier noch Nachwuchs- und Profi-Radfahrer um Deutsche Meistertitel. In rund zwei Jahren werden hier auch die Bahnrad–Europameisterschaften ausgetragen. Robert Förstemann dürfte dann auch dabei sein. Er kennt die Halle an der Landsberger Allee gut. Der 29-jährige Sprinter hält hier immer noch den Rundenrekord beim Berliner Sechstagerennen. Bei den Deutschen Meisterschaften hat er am Donnerstag im Teamsprint gewonnen. Und dennoch hat Förstemann im Vorfeld vor allem mit Kritik für Aufsehen gesorgt, weil er nur 56 Tage im vergangenen Jahr hier trainieren konnte, wie er der dpa sagte. „Das ist unmöglich, gerade im vorolympischen Jahr.“ Wenn das so weitergehe, sei der Bahnradsport in Berlin bald tot. Als Alternative bliebe den Radsportlern dann nur noch das benachbarte Frankfurt/Oder, wo gerade eine neue 250-Meter-Bahn in der Oderlandhalle gebaut wird.

Berlin ist eine der letzten großen Radsportstätten Deutschlands, eine der wenigen Städte in Europa, wo das Spektakel Sechstagerennen noch funktioniert. Nach dem Aus für die Berliner Olympia-Bewerbung dürfte die Bahnrad–EM einer der nächsten größeren internationalen Sportveranstaltung sein – jetzt, da das Finale der Champions League Geschichte ist.

100 Trainingstage sind dem Berliner Radsportverband jährlich vom Senat zugesichert. Sebastian Rüß, Geschäftsführer der Velodrom-Betreibergesellschaft Velomax, sagt: „Wir haben in den vergangenen Jahren sogar mehr als die geforderten Tage angeboten.“ Es gebe sogar Tage, „an denen wir die Halle anbieten, sie aber nicht genutzt wird“. Das Velodrom sei zwar eine Radsporthalle, aber es gebe einen Zielkonflikt, sagt er: „Der Senat verlangt von uns einerseits, dem Radsport Trainingszeiten anzubieten und andererseits, dass sich die Halle rentiert.“ Seiner Meinung nach wäre es einfacher, wenn eine langfristige Terminplanung möglich wäre, „aber das liegt nicht an uns. Denn der Radsport hat diese Jahresplanung nicht.“ Um dies alles zu klären, wird es nun ein Gespräch am 18. Juni zwischen dem Olympiastützpunkt, Senat, Verband und Velomax geben. Sebastian Rüß will dieses erst einmal abwarten. „Wir haben eigentlich kein Interesse daran, dass sich Verband und Olympiastützpunkt beschweren“, sagt er.

Günter Polauke, Präsident des Berliner Radsportverbands, sieht das Problem weniger in der Anzahl der Trainingstage als vielmehr darin, wie sie übers Jahr verteilt sind. „Wir kriegen zum Teil Zeiten angeboten, an denen wir die Halle gar nicht brauchen. Denn im Sommer trainieren die Radsportler auf der Straße, wir brauchen das Velodrom aber vor allem im Winter“, sagt er, „doch da kommt auch Helene Fischer und will singen.“ Förstemanns Kritik kann er verstehen. „Wir sollten sie ernst nehmen, aber es ist eine Dreiecksgeschichte zwischen Senat, dem Hallenbetreiber und uns“, sagt Polauke. Polauke will nun erst einmal die Gespräche Mitte Juni abwarten und gibt sich zuversichtlich: „Wenn wir 80 Prozent der Termine im Winter angeboten bekämen, wären wir einen Schritt weiter.“

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