Radsport : Vorerst kein DNA-Abgleich bei Ullrich

Die Klärung des Doping-Falles Jan Ullrich und damit ein mögliches Comeback des 32-Jährigen sind in weite Ferne gerückt. Ein von der Bonner Staatsanwaltschaft geplanter DNA-Abgleich wird sich verzögern.

Berlin/Bonn - Die Anwälte des ehemaligen T-Mobile-Kapitäns legten fristgerecht Einspruch gegen die Weitergabe des Erbmaterials aus der Schweiz nach Deutschland ein. Das bestätigte der zuständige Bonner Staatsanwalt Fred Apostel. "Jetzt entscheidet das Schweizer Gericht über die weitere Verfahrensweise. Bei einer Entscheidung für die Weitergabe an uns hätten die Ullrich-Anwälte das weitere Recht der Berufung", sagte Apostel. Das Prozedere könne bis zu eineinhalb Jahren dauern. "Der Einspruch gegen die Weitergabe ist das gute Recht Ullrichs. Warum er den Abgleich nicht zulässt - darüber kann sich jeder Gedanken machen", erklärte Apostel, der auch die im Fall Ullrich ermittelnde Disziplinarkammer des Schweizer Radsport-Verbandes vertrösten musste.

Angeforderte Unterlagen könne es zur Zeit nicht geben, meinte der Bonner Staatsanwalt. Der zuständige Schweizer Verbands-Justiziar Bernhard Welten will mit einer Urteilsempfehlung an die Disziplinarkammer von Swiss Cycling - lebenslange Sperre oder Freispruch - so lange warten, bis er auch zusätzliches Material aus Bonn in der Hand hat. Außerdem wartet er weiter auf Unterlagen der in der Doping-Affäre gegen den Frauenarzt Eufemiano Fuentes ermittelnden spanischen Behörden. Ullrich und weitere 50 Radprofis sollen Fuentes-Kunden gewesen sein.

Weder Lizenz noch Team

Wegen des anhaltenden juristischen Schwebezustands könnte Ullrich, der sein letztes Rennen im Juni 2006 bestritt, theoretisch im Moment fahren. Der Toursieger von 1997 hat aber weder eine Profi-Lizenz noch ein Team. Ein möglicher Interessent, "Aqua & Sapone" aus Italien, hatte erklärt, erst wenn alle rechtlichen Fragen geklärt seien, könnte an eine Verpflichtung Ullrichs gedacht werden.

Im Zuge der Ermittlungen gegen Ullrich hatte der Ex-Profi bei den Schweizer Behörden im September eine Speichelprobe abgegeben, nachdem er bei einer Hausdurchsuchung seiner Villa in Scherzingen am Bodensee nicht angetroffen worden war. Diese Probe könnte mit dem Inhalt der bei Fuentes gefundenen und Ullrich zugerechneten Blutbeutel verglichen werden. Ullrich leugnet Doping und behauptet, den belasteten Mediziner aus Madrid, gegen den in den Sommermonaten der Prozess eröffnet werden soll, nicht zu kennen.

Ullrichs Anwälte und Berater haben alle Hände voll zu tun: In Bonn wird nach einer Anzeige der Rechts-Professorin Britta Bannenberg wegen Betruges zum Nachteil seines ehemaligen Arbeitgebers T-Mobile ermittelt. In Hamburg laufen Untersuchungen wegen des Verdachts des Meineides in dem von dem Molekularbiologen und Doping-Experten Werner Franke angestrengten Verfahren. Dazu ermittelt der Schweizer Radsport-Verband. (Von Andreas Zellmer, dpa)

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