Radsport : Welches Image fährt mit?

Präsident Scharping soll gestürzt werden, weil sein Bund Deutscher Radfahrer vor allem durch Pannen auffällt.

Frank Bachner
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Wackelig auf den Rädern. Rudolf Scharping muss um seine Zukunft als Chef des Bundes Deutscher Radfahrer bangen. Foto: dpa

Berlin - Im Moment ist Dieter Kühnle nur Mitglied des Radsportvereins Adler Köln. Ab 21. März hätte er allerdings gerne den Posten, den er schon einmal drei Jahre lang besetzt hat: Vizepräsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR). Deshalb organisiert der 63-Jährige derzeit mit anderen den Sturz des BDR-Chefs Rudolf Scharping. Am 21. März, beim BDR-Verbandstag in Leipzig, soll es zum Showdown kommen. Scharping weg, der Orthopäde und Ex-Bahnfahrer Dieter Berkmann neuer Chef, so lautet der Plan. „Nur mit einer neuen Führung können wir das Image des BDR verbessern“, sagt Kühnle. Er ist vor allem wegen Scharping 2007 zurückgetreten.

Der BDR-Präsident, sagt Kühnle, habe alles an sich gezogen, wichtige Unterlagen seien nicht mehr über die Geschäftsstelle, sondern über sein Büro gelaufen. „Die interne Kommunikation war katastrophal“, sagt Kühnle.

Und die Außendarstellung nicht besser. Statt ein klares Signal im Anti-Doping-Kampf an die Jugend zu geben und keine belasteten Fahrer zu nominieren, habe der BDR den geständigen Kurzzeit-Doper Erik Zabel für die WM 2007 gemeldet. Und als im BDR über Zabels Nominierung abgestimmt worden sei, da habe sich „in dieser existenziellen Situation für den BDR“ ausgerechnet Scharping der Stimme enthalten. Zudem habe Scharping es nicht geschafft, dem BDR neue Sponsoren zuzuführen oder zu vermitteln. Dabei sei der frühere Verteidigungsminister vor allem wegen seines umfangreichen Netzwerks als BDR-Präsident installiert worden. Scharping selbst war gestern nicht erreichbar.

Nun ist Scharping eher wenig für die Akquirierung von Werbepartnern verantwortlich; der Verband, den er führt und repräsentiert, gibt allerdings seit langem ein miserables Bild ab. Scharping verkündet ständig, dass der BDR eine klare Anti-Doping-Politik vertrete. Doch ein Präventionsprojekt des Sportwissenschaftlers Gerhard Treutlein für den BDR stieß lange Zeit auf wenig Interesse, und eine neu gegründete Anti-Doping-Kommission löste sich bald im Streit auf. Dann wurde auch noch U-23-Bundestrainer Peter Weibel suspendiert, weil er seinen Athleten Dopingmittel gegeben haben soll. Zudem gab es immer wieder Diskussionen über Dopingfälle im BDR. Ende 2008 stieg dann Adidas als Werbepartner aus. Der Konzern hatte die schlechten Schlagzeilen über den Radsport satt. Jetzt, sagt Kühnle, „ist der BDR finanziell am Ende“. Im laufenden Etat fehle eine Million Euro.

Hart geht Kühnle auch BDR-Sportdirektor Burckhard Bremer an. Der hatte 2004 der damaligen BDR-Präsidentin Sylvia Schenk verschwiegen, dass bei dem Bahnfahrer Christian Lademann aus Berlin bei einem Gesundheitscheck „Unregelmäßigkeiten im Blut“ festgestellt wurden. Ein Epo-Verdacht kam auf. Bremer verteidigte sich mit dem Hinweis, spätere Kontrolltests hätten den Verdacht nicht erhärtet. Schenk trat zurück.

Und jetzt gibt es Diskussionen um Hanka Kupfernagel. Ist die viermalige Cross-Weltmeisterin aus dem A-Kader geflogen? Ihr Lebensgefährte Mike Kluge will dies am Donnerstag von der Deutschen Sporthilfe erfahren haben. Kupfernagel ist verblüfft. „Das würde mich schon ziemlich überraschen“, sagte die 34-Jährige gestern der Deutschen Presseagentur. „Wenn das stimmen sollte, hätte ich doch längst etwas Offizielles hören müssen. Ich denke schon, dass mir Leistungssportdirektor Bremer das persönlich mitgeteilt hätte. Alles andere wäre doch schlechter Stil der BDR-Führung.“

Dieser Sportdirektor, sagt Kühnle empört, müsse laut seines Vertrags nur dem Präsidenten berichten, nicht aber dem Generalsekretär, wie das in anderen Verbänden üblich sei. Erstaunlich allerdings ist der Umstand, dass Kühnle diesen Passus erst „vor einem halben Jahr“ erfahren haben will. Als er noch im Präsidium des BDR saß und immer wieder Bremer kritisierte, da habe er davon nichts gewusst. Bremer war gestern nicht zu erreichen.

Kühnle hatte Scharping einst selber maßgeblich ins Amt gehievt. Er war Vorsitzender der Findungskommission, die sich für Scharping entschied. Doch „er ist kein Manager, der analysiert und dann Schwachstellen beseitigt“, sagt Kühnle heute. Er weiß dabei mehrere der insgesamt 17 Landesverbände hinter sich, wie viele genau, verrät er nicht. „Aber so etwas wird nicht geplant, wenn die Erfolgsaussichten nicht da sind.“

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