Radsport : Zabel und T-Mobile trennen sich

Radprofi Erik Zabel wird das T-Mobile-Team verlassen. Der gebürtige Berliner war vom Bonner Team nicht für die diesjährige Tour de France nominiert worden.

Hamburg (31.07.2005, 18:52 Uhr) - Nach 13 Jahren trennen sich die Wege von Erik Zabel und T-Mobile. «Ich brauchte noch einmal eine neue sportliche Perspektive. Ich verlasse T-Mobile, bis spätestens zum 1. September werde ich mitteilen, wohin», sagte der 35-jährige Berliner am Sonntag nach dem HEW-Cyclassics-Rennen in Hamburg. Zabels neuer Arbeitgeber, bei dem der Vize-Weltmeister nach eigener Aussage einen Drei-Jahres-Vertrag und eine Start-Garantie für die Tour de France erhalten wird, steht offiziell noch nicht fest.

Allerdings gilt das Domina Vacanze-Team als Favorit. Wie es hieß, bringt Zabel den deutschen Reiseunternehmer TUI als Sponsor mit zum italienischen Reise- und Freizeit-Veranstalter, für den auch der Supersprinter Alessandro Petacchi fährt. Der bisherige T-Mobile-Sprinter, der für seine bisherige Mannschaft noch die Vuelta und die Weltmeisterschaft bestreiten wird, nimmt wahrscheinlich noch zwei bisherige Mannschafts-Kollegen mit. Dabei dürfte es sich um Jan Schaffrath (Berlin) und Rolf Aldag (Ahlen) handeln. Zabel: «Das dementiere ich nicht.»

Mit Zabel verliert T-Mobile nach Alexander Winokurow nicht nur einen zuverlässigen Top-Fahrer, sondern auch eine äußerst populäre Integrationsfigur. Der Vize-Weltmeister, der in diesem Jahr zum ersten Mal in 12 Jahren nicht zur Tour de France mitgenommen wurde, gilt mit 192 Siegen als der erfolgreichste noch aktive Profi. Zabel gewann acht Klassiker, darunter vier Mal Mailand-San-Remo, 12 Tour-Etappen und holte in Frankreich sechs Mal das Grüne Trikot des Punktbesten.

Der Stachel der Nicht-Nominierung saß offensichtlich so tief, dass Zabel auf das T-Mobile-Angebot einer zweijährigen Vertragsverlängerung mit anschließender Option als Repräsentant des Hauses nicht einging. Oder der Sparkurs des neuen Managers Olaf Ludwig hat ihn abgeschreckt. «Ich habe mir den Abschied nicht leicht gemacht, ich habe 100 Prozent meiner Profilaufbahn bei Telekom und T-Mobile verbracht. Wir scheiden in freundlicher Atmosphäre», sagte Zabel und umarmte seinen früheren Lehrmeister und jetzigen T-Mobile-Manager Olaf Ludwig.

«Sportlich ist seine Entscheidung zu verstehen und zu begrüßen. Endlich mal was Neues probieren - das wird ihm gut tun. In Deutschland zählt nur die Tour, und die konnte er bei T-Mobile nicht mehr bestreiten. Ich bin sicher, dass er auch im nächsten Jahr wieder Etappen gewinnen kann», sagte Zabels Ex-Sprint-Konkurrent Marcel Wüst und zeigte Verständnis für dessen Entscheidung. Sollte Zabel zu Domina Vacanze wechseln, soll es zwischen ihm und Petacchi eine «Gewalten-Teilung» geben, wie italienische Zeitungen berichteten: Die Tour für Zabel, der Giro d'Italia für Petacchi.

Nach Auskunft von Dieter Kühnle, dem Vizepräsidenten des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), habe es mit dem T-Mobile-Manager Ludwig bereits Gespräche über die WM-Taktik mit einem Team-Kapitän Erik Zabel gegeben: «Er hat mir versichert, dass die für die Titelkämpfe nominierten T-Mobile-Fahrer in jedem Fall für Zabel fahren werden. Um ihn herum bauen wir unser WM-Team». Das WM-Straßenrennen in Madrid findet am 25. September statt. Die Strecke gilt als sehr freundlich für die Sprinter. «Erik bleibt für den deutschen Radsport eine große Figur», sagte am Sonntag BDR-Präsident Rudolf Scharping.

Zabel, der 2005 erst einen Sieg bei «Rund um den Henninger Turm» verbuchte, will zur WM-Vorbereitung die Spanien-Rundfahrt bestreiten und auf die am 15. August beginnende Deutschland-Tour verzichten. Damit dürfte er am Sonntag das letzte Rennen mit Jan Ullrich in dem immer mehr auf die Bedürfnisse des unumstrittenen Kapitäns zugeschnittenen Team bestritten haben. Ohne den nach Spanien wechselnden Winokurow und Zabel laufen die Bonner Gefahr, von der Öffentlichkeit mehr oder weniger nur noch in den dreieinhalb Wochen Tour de France im Juli wahrgenommen zu werden. (Von Andreas Zellmer, dpa)

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