Radsport : Zwei Monate darf Gerolsteiner noch hoffen

Der Radrennstall Gerolsteiner steht nach erfolgloser Sponsorensuche vor dem Aus. Die Fahrer haben schon die Freigabe.

Sebastian Moll[Paris]

Hans-Michael Holczer betont zwar, dass er die Dinge „geschäftsmäßig“, also mit der gegebenen Distanz betrachtet, doch die Erregung in seiner Stimme vermag er nicht so recht zu verbergen. „Wir haben ein blitzsauberes, kerngesundes Unternehmen mit einem hervorragenden Image“, schimpfte der Gründer und Leiter des deutschen Profi-Radteams Gerolsteiner am Mittwoch ins Telefon, bevor er sich ins Auto zum Start der Tour de France in der Bretagne setzte. „Die Mannschaft ist ein hochattraktives Produkt. Wenn es dafür keinen Markt mehr gibt, dann bin ich mit meinem Latein am Ende.“

Im vergangenen Herbst hatte der Mineralwasserhersteller Gerolsteiner bekannt gegeben, dass er zum Ende der Saison 2008 aus dem Radsport aussteigt. Seitdem ist Holczer auf der Suche nach einem neuen Financier seines Teams. Jetzt verstrich mit dem 1. Juli die Frist, die Holczer sich selbst gesetzt hatte, ohne dass ein neues Firmenlogo für die Trikots des deutschen Radrennstalls Nummer eins präsentiert werden konnte. Deshalb erteilte Holczer am Mittwoch seinen Fahrern und Angestellten die Erlaubnis, sich nach neuen Arbeitgebern umzuschauen. Die Hoffnung hat Holczer allerdings noch nicht völlig aufgegeben: „Die Gespräche mit Interessenten und Marketingfachleuten haben mich davon überzeugt, noch zwei Monate abzuwarten, bevor wir das Team endgültig schließen.“

Die Resthoffnung schöpft Holczer nicht zuletzt daraus, dass er vor wenigen Wochen kurz vor einer Vertragsunterzeichnung mit einem Investor stand, dessen Identität er allerdings nicht preisgeben wollte. Holczer verriet lediglich, dass es sich dabei „nicht um einen Fan handelte, sondern um ein Unternehmen mit handfesten Marketinginteressen“. Letztlich, so Holczer, sei das Geschäft durchgefallen, weil „der deutsche Markt wohl doch nicht attraktiv genug war“.

Überhaupt macht Holczer die Stimmung in Deutschland in Bezug auf den Radsport und nicht den Radsport selbst dafür verantwortlich, dass er sich mit der Sponsorensuche so schwer tut. Als Beleg dafür führt er ins Feld, dass mit der dänischen Bank Saxo sowie mit den US-Firmen Garmin und Columbia gerade erst drei neue Unternehmen in das Geschäft mit dem Radsport eingestiegen seien. „Wir haben hier ein echtes Standortproblem“, sagte er. Nur in Deutschland sei das Image des Radsports derart am Boden, dass kein Sponsor mehr mit der Disziplin in Verbindung gebracht werden möchte.

Dabei, betont Hans-Michael Holczer mit nur mühsam unterdrücktem Zorn, sei der Radsport mittlerweile wesentlich besser als sein Ruf. „Es hat sich so viel verändert in den letzten beiden Jahren. Aber davon redet niemand. Wir tun alles, aber man lässt uns einfach nicht die Zeit, die wir brauchen.“

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