Radsport : Zweikampf um Verbandsspitze

Der Brite Brian Cookson will aufräumen beim Radsport-Weltverband UCI. Der Ire Pat McQuaid will weiter so machen wie bisher. Beim heutigen UCI-Kongress in Florenz geht es um eine Richtungsentscheidung. Es ist aber völlig offen, wie sie ausgeht.

von
Der Brite Brian Cookson will aufräumen beim Radsport-Weltverband UCI.
Der Brite Brian Cookson will aufräumen beim Radsport-Weltverband UCI.Foto: AFP

Zur Absurdität der gegenwärtigen UCI gehört, dass bis zum Kongressbeginn am Freitagmorgen gar nicht klar ist, ob Cookson überhaupt in eine Kampfabstimmung gegen McQuaid ziehen muss. Weder dessen Heimatverband aus Irland noch der Schweizer Verband, wo der Ire seinen Wohnsitz hat, nominierten den aktuellen Präsidenten. Vor der Wahl wird über Änderungsanträge der Verbände aus Barbados, Malaysia, Litauen und der Türkei abgestimmt, die McQuaid rückwirkend zur Nominierung verhelfen sollen.

Optimistisch sind beide Kandidaten. Die Bastionen von Amtsinhaber Pat McQuaid liegen in Asien (9 Stimmen) und Afrika (7). Dort engagierte sich die UCI in den vergangenen Jahren stark im Aufbau einer Radsportinfrastruktur. In Europa (14 Stimmen), Ozeanien (3) und Nordamerika (ein Teil der insgesamt 9 Stimmen des Kontinents) ist das Vertrauen in McQuaids Führungsqualitäten hingegen erodiert. Ihm werden intransparente Machtstrukturen, Korruptionsanfälligkeit und Vertuschung von Dopingfällen vorgeworfen. Einiges davon steht in einem Dossier, das der russische Öl- und Gasmagnat und Finanzier des Katusha-Teams Igor Makarow zusammenstellen ließ. Danach sollen McQuaid und sein Amtsvorgänger Hein Verbruggen im Sommer 2012 versucht haben, 250 000 Dollar von einem Teameigner zu erpressen. Des Weiteren wird McQuaid des Versuchs, den positiven Dopingtest von Alberto Contador im Jahre 2010 zu vertuschen, beschuldigt. Ebenso soll er mit Lance Armstrong bei dessen Comeback einen Deal getroffen haben, der diesem einen Start bei der Tour Down Under ermöglichte. Armstrong war laut Reglement nicht startberechtigt, weil er zu diesem Zeitpunkt noch kein halbes Jahr im offiziellen Dopingtestpool der UCI war. Im Gegenzug soll sich Armstrong bereit erklärt haben, bei der Tour of Ireland ohne Gage anzutreten. Die Rundfahrt wurde einst von McQuaid begründet.

Gegen diese selbstherrlichen Praktiken tritt Cookson an. Er hat die Unterstützung des europäischen Kontinentalverbands. 27 von 37 Mitgliedern votierten bei einem Treffen für ihn. Freilich steht auch der Aufklärungswille des Erneuerers Cookson, der selbst seit 2009 den höchsten UCI-Gremien angehört, auf dem Prüfstand. Bislang äußerte er sich häufig zu den Vergehen von McQuaid und Armstrong, verlor aber kein Wort darüber, wie er mit den mutmaßlichen Korruptions- und Dopingpraktiken bei ihm näher stehenden Personen umgehen will. Mehrere Profis von Makarows Katusha-Rennstall wurden von der italienischen Polizei der fortgesetzten Zusammenarbeit mit dem Dopingarzt Michele Ferrari bezichtigt. Eine Untersuchung auch hier wäre die Feuertaufe seiner Erneuerungsabsichten.

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben