Sport : Radsportchef will Geständnis von Armstrong

St. Petersburg - UCI-Präsident Patrick McQuaid hat Dopingsünder Lance Armstrong zu einem umfassenden Geständnis und einer Entschuldigung aufgefordert. „Wenn er Informationen hat, die wertvoll für den Sport sind, sollte er sie mitteilen“, sagte McQuaid in St. Petersburg, „ich wünsche mir, dass er in seinen Privatflieger steigt, in die Schweiz kommt und fragt: Wie kann ich euch helfen?“ Aus juristischen Gründen habe er allerdings wenig Hoffnung, dass sich der ehemalige Radstar einer Behörde gegenüber öffnen werde.

Die Affäre Armstrong sei eine „schwere Last“ für den Weltverband UCI, den gesamten Radsport und auch ihn selbst, sagte der 63-Jährige weiter. „Ich habe mich täuschen lassen. Ich habe sein Buch gelesen. Er lag im Sterben und ich hätte nie gedacht, dass er es riskiert, seinem Körper solche gefährlichen Substanzen zuzuführen.“ Deshalb habe er Armstrong auch trotz dessen unglaublicher Siegesserie nie wirklich verdächtigt. Armstrong hatte eine Krebserkrankung besiegt und danach siebenmal die Tour de France gewonnen. Im Vorjahr wurden ihm wegen Dopings alle Tour-Titel nachträglich aberkannt.

„Ich glaube nicht, dass wir Fehler gemacht haben. Es gab auch keine Nachlässigkeiten gegenüber bestimmten Fahrern. Das Doping-System war damals einfach schwach“, behauptete McQuaid, der seit 2005 an der UCI-Spitze steht. Allein zwischen 1999 und 2005 habe die UCI 200 Kontrollen bei Armstrong veranlasst, die Anti-Doping-Agentur der USA (Usada) habe ihn im gleichen Zeitraum nur zwölfmal getestet. Auch die französischen und italienischen Anti-Doping- Agenturen hätten Armstrong nicht erwischt.

Trotz der Dauerkritik an seinem Umgang mit dem Fall Armstrong schloss der Ire vier Monate vor der UCI-Präsidentenwahl eigene Konsequenzen aus. „Ich habe nie an Rücktritt gedacht. Der Radsport hat sich positiv verändert. Ich glaube wirklich, dass ich etwas bewirke.“

Zur Imageverbesserung hat der Weltverband eigens eine Beratungsfirma damit beauftragt, Empfehlungen für eine erfolgreiche Zukunft auszuarbeiten. Einer der elf Expertenvorschläge für eine größere Glaubwürdigkeit des Sports ist ein unabhängiges Gremium, das die Strafen für Dopingsünder festlegen soll. Davon hält McQuaid zwar wenig, dennoch erwartet er : „Die Armstrong-Sache wird irgendwann vorbeigehen. Ich glaube fest an eine strahlende Zukunft.“ dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben