Radsprint : Vom Zuschauer zum Champion

Am Donnerstagabend, kurz vor 21.30 Uhr war die Welt wieder in Ordnung – zumindest schien es so. Für Maximilian Levy, Deutschlands besten Bahnradsprinter, und für Detlef Uibel, den Bundestrainer.

Fred Peter

Pruszkow Kurz zuvor hatte Levy bei der WM im polnischen Pruszkow für eine Überraschung gesorgt und sich in einem begeisternden Finallauf den WM-Titel im Keirin geholt. Jener japanischen Variante des Sprints, bei dem die Fahrer in der Schlussphase bei Tempo 60 drei Runden lang auch mit dem Gebrauch der Ellenbogen um den Sieg streiten. Am Freitag dann holte Stefan Nimke aus Schwerin die zweite Goldmedaille für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR). Über 1000 Meter wiederholte der 30-Jährige seinen WM-Titel von 2003 in Stuttgart und verbesserte den deutschen Rekord, den er selbst bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen aufgestellt hatte.

Für Levy aber war es der erste WM-Titel bei den Männern. Entsprechend glücklich war der fünfmalige Junioren-Weltmeister dann auch. „Die letzte Zeit war nicht leicht für mich, aber ich bin meinen Weg gegangen und jetzt hat sich gezeigt, dass es der richtige war“, sagte der 21-Jährige noch ziemlich außer Atem.

Levy, geboren in Berlin und jetzt in Cottbus zu Hause, wollte damit auch in der Stunde seines größten Triumphes nicht verschweigen, dass das Verhältnis zu Bundestrainer Uibel nach wie vor nicht das beste ist. Der hatte seinen Star wegen Differenzen in der WM-Vorbereitung kurzerhand aus dem Aufgebot für den Teamsprint geworfen, weil dieser entgegen der Anweisung von Uibel bei den finanziell lukrativen Sechstagerennen gestartet war. So musste Levy am Mittwoch zuschauen, wie seine Kollegen WM-Dritte wurden, obwohl er in Peking selbst noch mitgeholfen hatte, Olympia-Bronze zu erobern.

Ob sich nun die Spannungen zwischen dem Bundestrainer und seinem Top- Sprinter, der dem BDR nach zwei titellosen Jahren in Serie das erste größere Erfolgserlebnis bescherte, legen, darf angezweifelt werden. Beide sind fest davon überzeugt, das Richtige zu tun – was nicht so recht zusammenpasst. Fred Peter

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben