Sport : Rätseln bis Jahresende

Aufschub für Schumacher – holt Ferrari Räikkönen?

Karin Sturm

Barcelona - Für Michael Schumacher war die Sache erledigt. Der siebenmalige Formel-1-Weltmeister wirkte erleichtert, nachdem er von seinem Team Ferrari die Möglichkeit eingeräumt bekommen hatte, nicht schon im Juli, sondern erst Ende des Jahres über den Fortgang seiner Karriere zu bestimmen. „Das ist eine wichtige Entscheidung für mich, und die möchte ich für mich alleine treffen“, sagte der 37-Jährige. „Ich möchte nicht in die Tiefe gehen, warum und so weiter, denn das führt nur zu weiteren Spekulationen. Und das möchte ich nicht.“

Genau das ist aber bereits eingetreten. Die Telenovela mit dem Hauptdarsteller Schumacher geht weiter – eventuell bis zum letzten Rennen am 22. Oktober in Brasilien. Allein die verschiedenen möglichen Interpretationen dieses Aufschubs werden das Fahrerlager für die nächsten Wochen und Monate beschäftigen. Eines scheint auf jeden Fall klar: Ein Wechsel zu einem anderen Team, so unwahrscheinlich er von vorn herein war, kommt nun endgültig nicht mehr in Frage – die verbliebenen Alternativen heißen nun Ferrari oder aufhören. Möglich, dass sich Schumacher mit der verspäteten Bekanntgabe die Chance auf den großen Abgang mit einem achten WM-Titel in der Tasche auf dem absoluten Höhepunkt seiner Karriere offen halten will. Außerdem will der Kerpener wohl abwarten, ob sich Ferrari-Teamchef Jean Todt und Stratege Ross Brawn dazu entscheiden, nach dieser Saison weiterzumachen.

Keke Rosberg, der Weltmeister von 1982, sieht in der Ankündigung vor allem einen taktischen Schachzug, um sich Ruhe zu verschaffen. „Ich würde das mal alles nicht so ernst nehmen.“ Selbst in diesem Fall ist die Wirkung der Entwicklung aber kaum zu überschätzen. Das ganze Transferkarussell kann jetzt einerseits zum Stocken, andererseits aber auch in andere Richtungen in Schwung kommen. Im Mittelpunkt steht Kimi Räikkönen. Viele Experten deuten den Aufschub für Schumacher als Indiz dafür, dass der Finne seinen Rennstall McLaren am Ende des Jahres Richtung Italien verlassen wird. „Ferrari hat seine Zukunft bereits geplant. Es scheint nun sicher, dass Räikkönen schon einen Vertrag für 2007 unterschrieben hat“, schreibt die italienische Sportzeitung „Tuttosport“.

Andererseits ist in der Formel 1 selbst ein unterschriebener Vertrag kein echtes Hindernis, sollte es sich ein Fahrer noch anders überlegen. So ist es ebenfalls möglich, dass Räikkönen sich aufgrund der überraschenden Wendung dazu entscheidet, dem Risiko Schumacher in dessen ureigenem Team aus dem Weg zu gehen. Für Räikkönen gäbe es zwei Alternativen. Renault etwa, wo der Platz von Weltmeister Fernando Alonso nach dessen Wechsel zu McLaren frei wird. Das Team soll Räikkönen inzwischen ein konkretes Angebot gemacht haben. Oder aber der Finne überlegt es sich doch noch einmal und bleibt bei McLaren-Mercedes.

Kaum Handlungsmöglichkeiten hat Schumachers derzeitiger Teamkollege Felipe Massa. Der Brasilianer hängt bis zum Saisonende völlig in der Luft und kann nur hoffen, dass entweder Schumacher aufhört oder Räikkönen sich gegen Ferrari entscheidet.

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