Sport : Rafael van der Vaart

Wie der Hamburger das Spiel gegen Bayern erlebte

Karsten Doneck

Ein ausverkauftes Stadion, mehr als 55 000 Menschen, die zuschauen. Da muss die Kleiderordnung stimmen. Also bückt sich Rafael van der Vaart, zupft die blauen Stutzen zurecht. Erst rechts, dann links. Danach folgt noch eine herzliche Umarmung mit seinem Landsmann Khalid Boulahrouz. Und dann geht’s los. Gegen Bayern München nimmt van der Vaart sofort seine Räume ein. Und die sind überall, verteilt über die ganze Länge und Breite der Rasenfläche, vorne, hinten, an den Seitenlinien rechts und links.

Die Mitspieler suchen ihn permanent. Van der Vaart seinerseits sucht die Nähe zum Ball, ist immer präsent. Keine drei Minuten sind vorbei, da hat der holländische Nationalspieler schon zehnmal den Ball an den Füßen gehabt. Nach nur zehn Minuten wird sein Eifer belohnt. Einen langen Pass von Trochowski fälscht Bayerns Karimi unglücklich ab. Van der Vaart erläuft sich den Ball und schiebt ihn zum 1:0 ins Netz. Erlöst reckt er die Faust in den Himmel. Dass der ähnlich gut postierte Stürmer Benjamin Lauth van der Vaart den Ball überließ, beweist, welche Stellung der Holländer in der Hierarchie inzwischen einnimmt – eine übergeordnete.

Rafael van der Vaart rackert weiter, kunstfertig ist sein Umgang mit dem Ball. Und er verrichtet auch die Arbeit, die Fußballkünstler oft scheuen: Er hilft in der Abwehr aus. Einmal will der 22-Jährige den ballführenden Demichelis attackieren, gerät dabei aber lediglich in Körperkontakt mit dem im Weg stehenden Schiedsrichter Florian Meyer. Mancher Freistoß für den Gegner fuchst van der Vaart gewaltig. Er reklamiert und teilt auch mal selbst aus: Dem vor ihm laufenden Michael Ballack rempelt er kurz vor der Pause mit dem Ellenbogen in den Rücken. Ein taktisches Foul.

Nach der Pause verliert van der Vaart etwas an Klasse. Trotzdem weiß das Publikum, was es an dem Mann mit der Trikotnummer 23 hat. Beifall gibt es für ihn, als er mit Barbarez ein sicheres Doppelpassspiel aufzieht. Nach 82 Minuten beendet Rafael van der Vaart seinen Dienst. Trainer Thomas Doll wechselt ihn gegen Reto Ziegler aus. Van der Vaart winkt ins Publikum, lässt sich von Doll am Spielfeldrand herzlich umarmen. Dann nimmt er auf der Ersatzbank Platz, ohne sich die Trainingsjacke überzustreifen. Stillsitzen kann er auch da nicht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben