Sport : Ralf Schumacher fühlt Gottes Hand

BMW-Pilot beteuert seine Unschuld am Unfall in Hockenheim

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Berlin (Tsp). War es nur ein normaler Rennunfall oder das alleinige Verschulden von Ralf Schumacher? Worin der Startunfall beim Großen Preis von Deutschland in der Formel 1 auf dem Hockenheimring seine Ursache hatte, darüber musste das Schiedsgericht des AutomobilWeltverbandes Fia in letzter Instanz entscheiden. Nach dem Grand Prix vor drei Wochen war Schumacher im BMW-Williams als der Auslöser des Crashs gesehen worden, daraufhin für den viertletzten WM-Lauf am kommenden Sonntag in Budapest hart bestraft worden. Demnach sollte der 27-Jährige zehn Positionen in der Startaufstellung nach hinten rücken müssen. Gegen dieses Urteil hatte sein Team Einspruch eingelegt, der nunmehr am Place de la Concorde in Paris verhandelt wurde. Erstmals bei einem Verfahren des so genannten Court of Appeal wurde darüber in einer TV-Livesendung berichtet, obwohl das Urteil erst heute verkündet wird.

„Ich habe mir die Zeitlupe immer und immer wieder angeschaut. Das war ein normaler Rennunfall“, sagte Ralf Schumacher erneut. Er war nach dem Start stark nach links gezogen, dadurch war es zu einer Dreier-Kollision mit Ferrari-Pilot Rubens Barrichello (Brasilien) und Kimi Räikkönen (Finnland) im McLaren-Mercedes gekommen. Für das Trio war das Rennen danach beendet.

Die Fia sah das anders, behauptete: „Ralf Schumacher gestand ein, bei diesem Manöver nicht auf die Position der anderen Autos geachtet zu haben.“ Von diesem Eingeständnis wollte Ralf Schumacher am Dienstag nichts mehr wissen. „Für mich gab es ja nur einen Gegner, das war Barrichello. Ihm gegenüber habe ich auf meine Position geachtet. Räikkönen konnte ich ja gar nicht sehen.“ Mit Videoanalysen und Grafiken versuchte BMW-Williams in Paris, die Unschuld seines Fahrers zu beweisen. „Ralf konnte nicht sehen, dass bei der Anfahrt auf die Kurve zwei Autos neben ihm fuhren. Er hat Platz gelassen für ein Auto“, sagte Williams-Anwalt Andrew Hunter. Hunter machte deutlich, dass auch Barrichello und Räikkönen keine Schuld gehabt hätten. „Ich konnte nichts tun, außer zu bremsen. Ich bin nicht in Schumacher, sondern er in mich gekracht“, sagte Barrichello, der nach eigener Aussage Räikkonen sehr spät neben sich gesehen hatte und diesem ausweichen wollte.

Vom Ausgang des Verfahrens hängt ab, ob Ralf Schumacher noch eine Chance auf den WM-Titel behält. Er liegt zurzeit mit 53 Punkten hinter seinem Bruder und Ferrari-Pilot Michael Schumacher (71), seinem Teamkollegen Juan Pablo Montoya (65) und Räikkönen (62) an vierter Stelle der Wertung. „Ich sage immer: Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand“, sagte Schumacher nach der anderthalbstündigen Verhandlung.

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