Rallye Dakar : Heute ich, morgen du

Fünf Piloten bildeten jahrelang den Favoritenkreis der Rallye Dakar. Erst jetzt tauchen langsam neue Gesichter auf. Und noch etwas ist neu: In den ersten Tagen der diesjährigen Tour konnte kein Team seine Führung verteidigen.

Hanna Krabbe
Staubtrocken. Auch Favorit Peterhansel fehlt noch der Schwung.
Staubtrocken. Auch Favorit Peterhansel fehlt noch der Schwung.Foto: dpa

Die Rallye Dakar zählt für viele noch zu den letzten großen Abenteuern, dem sich Menschen in der heutigen Zeit stellen können. Am vergangenen Sonntag startete die Rallye in ihre sechste Ausgabe in Südamerika, und auf dem Subkontinent ist die Begeisterung ungebrochen. So besuchten laut den örtlichen Behörden der argentinischen Stadt Rosario eine Million Zuschauer das Startpodium. Nach sechs Etappen durch Argentinien wird die Rallye Dakar zum ersten Mal in ihrer südamerikanischen Karriere Bolivien erreichen. Allerdings erhalten nur die Motorrad-Piloten dieses Privileg. „Es war schon nicht einfach, Wege für die Motorräder zu finden“, erklärt der sportliche Direktor der Rallye. David Castera, „für die Autos war es unmöglich.“ Viele Möglichkeiten Bolivien zu durchqueren, hatte die Veranstalterorganisation ASO nicht. Große Teile des Landes liegen über 3000 Metern und dort wäre die Gefahr, dass die Teilnehmer unter Höhenkrankheit leiden, einfach zu groß gewesen. Somit müssen sich die Auto-Piloten mit zwei weiteren Etappen in Argentinien und Chile begnügen. Ziel der Rallye Dakar 2014 ist die chilenische Küstenstadt Valparaiso etwa 150 Kilometer nördlich von Santiago.

Das deutsche X-raid-Team aus der Nähe von Frankfurt hat gleich drei Favoriten unter Vertrag: den Franzosen und elffachen Dakar-Sieger Stéphane Peterhansel, den Spanier Nani Roma und Nasser Al-Attiyah. Der Katari war im November kurzfristig ins Team gewechselt. Eigentlich hatte er an einem eigenen Buggy-Projekt gearbeitet, schien dann aber selbst Zweifel an der Siegfähigkeit gehabt zu haben. Hauptkonkurrenten sind der Südafrikaner Giniel de Villiers zusammen mit seinem deutschen Beifahrer im Toyota und dem Spanier Carlos Sainz, der mit Timo Gottschalk ebenfalls einen Deutschen neben sich sitzen hat.

Diese fünf Piloten bilden schon seit Jahren den Favoritenkreis der Rallye Dakar. Erst in diesem Jahr tauchen langsam weitere Gesichter auf der Liste auf: dem Argentinier Orlando Terranova werden bereits bei dieser Ausgabe der Rallye Siegchancen zugestanden, sein Landsmann Lucio Alvarez gilt als großes Talent. Es gibt viele mögliche Gründe, warum sich die Favoriten in den vergangenen Jahren kaum verändert haben. „Eine ganze Zeit lang gab es auch nicht so viele gute Autos“, gibt Sven Quandt, Teamchef von X-raid, zu bedenken. „Jetzt wird auch wieder mehr darauf geachtet, sich gute Fahrer ins Auto zu setzen.“ Ein weiterer Grund könnte der für einen Sieg notwendige Erfahrungsschatz sein. Im Gegensatz zu vielen anderen Motorsportkategorien zählt bei der Dakar nicht nur die reine Geschwindigkeit. Um sich selbst und sein Auto 14 Tage lang heil über die Piste zu bringen, kann man nicht jeden Tag hundert Prozent geben. „Man muss wissen, wo kann ich Zeit gewinnen und wo ist die Gefahr, Zeit zu verlieren, größer“, erklärt Peterhansel. „Es gibt Tage, da muss ich eigentlich langsamere Konkurrenten ziehen lassen, denn ich weiß, dass eine unüberlegte Attacke den Sieg kosten kann.“ Kein Pilot landet auf Anhieb in der Spitzengruppe und bisher ist es auch noch keinem unter 30-Jährigen gelungen, die Rallye Dakar zu gewinnen. Diesen langen Atem haben viele nicht und geben vorher auf.

Im vergangenen Jahr hatten viele Teilnehmer der ASO eine zu einfache Rallye vorgeworfen. Diesen Januar schlagen die Organisatoren zurück und nach den ersten Tagen kann man bereits sagen: es wird wohl die härteste Rallye in Südamerika. Die ASO verlängerte die Etappen erheblich, und auch die Strecken selbst haben es in sich. Mussten die Piloten bisher meistens zwischen 200 und 300 Kilometer lange Prüfungen gegen die Uhr bestreiten, so sind sie in diesem Jahr bis zu 500 Kilometer lang. Bereits während den ersten Etappen mussten zahlreiche Teilnehmer wegen technischer Defekte aufgeben und auch für die Favoriten läuft es nicht glatt. Jedes Team, das bisher die Führung innehatte, musste diese am Folgetag wieder abgeben. Gestern nun übernahmen am vierten Tag der Spanier Sainz und Gottschalk die Gesamtführung mit einem Vorsprung von 6:04 Minuten auf den französischen Rekordgewinner Stéphane Peterhansel.

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