Rallye Dakar : Triumph der Stallorder - Joan Roma gewinnt

Für das hessische Team X-raid gewann der Spanier Joan Roma vor dem Franzosen Stéphane Peterhansel die Rallye Dakar. Rund um seinen Sieg gibt es aber einen faden Beigeschmack.

Hanna Krabbe
Party auf der Haube. Joan Roma und sein Beifahrer Michel Perin.
Party auf der Haube. Joan Roma und sein Beifahrer Michel Perin.Foto: afp

Die diesjährige Dakar hatte es mehr als in sich und das nicht nur im sportlichen Sinne. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass diese Ausgabe eine der schwersten überhaupt war. Die Profis freuten sich über die Herausforderung, die Ihnen lange gefehlt hatte. Für die Privatiers war es eine teilweise unlösbare Aufgabe. So kamen nur rund die Hälfte der gemeldeten Autos in der chilenischen Zielstadt Valparaiso an.

Einen Privatier kostete die Dakar das Leben. Motorradpilot Eric Palante starb in der ersten Woche. Ein Amateur war der Belgier jedoch nicht. Und warum stand der Pilot auf der Starterliste für die kommende Etappe stand, obwohl er nie im Biwak ankam? Die Antwort darauf sind die Organisatoren noch schuldig. Zudem ging ein Unfall von Carlos Sanz zwar glimpflich aus, brachte aber reichlich Aufsehen. Sanz hatte sich während einer Neutralisationsphase, in der nicht gegen die Uhr gefahren wird, überschlagen.

Für Aufregung sorgte auch das Siegerteam X-raid. Das hessische Team durfte sich im Ziel über die Belegung sämtlicher Podiumsplätze freuen und brachte elf der insgesamt zwölf Fahrzeuge durch die Rallye. Doch es gibt einen faden Beigeschmack rund um Sieger Joan Roma aus Spanien. Er führte ab der dritten Etappe die Gesamtwertung an, gefolgt von seinen Teamkollegen Stéphane Peterhansel und Nasser Al-Attiyah. Der Katari erhielt allerdings auf der sechsten Etappe eine Zeitstrafe und war damit raus aus dem Kampf um den Sieg. Doch Peterhansel rückte Roma in der zweiten Woche nahe und verkürzte den Abstand von Tag zu Tag. Neben der Strecke sind die beiden eigentlich gute Freunde und teilten sich sogar ein Wohnmobil während der Veranstaltung. Drei Tage vor Schluss sprach Teamchef Sven Quandt eine Stallorder aus. „Stéphane und Nasser sind in den vergangenen Tagen zu oft am Limit gefahren. Wir wollen, dass Fahrer und Auto heil ins Ziel kommen,“ sagte der Teamchef. Tatsächlich waren speziell Al-Attiyah und Peterhansel in den vorherigen Tagen sehr rabiat durch die Prüfungen gestürmt. Nach dem Unfall von Sainz war dann wohl das Maß voll. Die Devise lautete: Positionen halten. In den solchen Fällen heißt es eigentlich auch: Mund halten. Doch genau das taten Peterhansel und Al-Attiyah nicht und erzählten bereits am Morgen der Presse von der Order.

Die Reaktionen waren heftig. Nicht dass X-raid die erste Mannschaft gewesen wäre, die bei der Dakar eine Anweisung ausgab. Dieses haben bereits Teams und Werke wie Mitsubishi oder Peugeot schon Jahre zuvor ausgesprochen – allerdings im Stillschweigen. Nun war es aber öffentlich geworden und noch dazu hielten sich die beiden Piloten nicht ganz an die Anweisungen. Die Folge war, dass Peterhansel am vorletzten Tag die Gesamtführung mit 26 Sekunden Vorsprung übernahm. Gespannt erwartete nun die Dakar-Szene den Zieleinlauf einen Tag später. Welches Auto würde wohl zuerst auftauchen? Es war der Mini von Roma dicht gefolgt von den beiden weiteren Minis von Peterhansel und Al-Attiyah. Der Sieg ging damit an den Spanier, dessen Freude über den Erfolg ungetrübt war. „Die Dakar ist nun mal ein Teamsport und ich habe mich schon sehr oft in den Dienst anderer Fahrer gestellt“, sagte Roma. „Ich habe lange geführt und mich im Gegensatz zu meinen Teamkollegen an die Anweisung gehalten, Speed rauszunehmen.“

Doch für viele andere Teilnehmer bleibt die Frage, warum die Stallorder überhaupt ausgesprochen wurde? X-raid führte mit drei Fahrzeugen, dass zwei oder sogar drei davon ausscheiden würden, war unwahrscheinlich.

Die Dakar ist für viele das letzte große Abenteuer, aber sie ist auch Business und das schon lange nicht mehr nur bei den großen Teams.

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