Sport : Ramelow verlässt die Nationalelf

Erik Eggers

Leverkusen - Unverhofft kam das Ende, und leise. Die deutsche Nationalmannschaft war von den Rumänen gedemütigt worden, beim historischen 1:5 in Bukarest.Und Carsten Ramelow registrierte erneut das, was in den vergangenen Jahren den Charakter eines Gesetzes angenommen hatte: Die Boulevardmedien schossen sich ein auf den Leverkusener Defensivspezialisten, der wie kein anderer die Malaise des deutschen Fußballs personifizierte. Dass nicht er die fünf Gegentore eingeleitet hatte, wen interessierte das? Auch das sofortige Eingeständnis Rudi Völlers, dass er Ramelow nicht als Innenverteidiger hätte aufstellen dürfen, minderte die Wucht der Kritik nicht. Doch diesmal ertrug der 30-Jährige, der in seinen bisher 46 Länderspielen drei Tore erzielt hatte, die verbalen Angriffe nicht mehr mit Gleichmut. Kurz nach dem 1:5 verkündete er dem Teamchef seinen Rückzug aus der Nationalelf, wie jetzt bekannt wurde. „Nur im absoluten Notfall“, sagte Ramelow, werde er „für die EM auf Abruf zur Verfügung stehen.“

Als Grund gab der Leverkusener an, zuletzt mit zahlreichen Verletzungen gekämpft zu haben. Auch wolle er „Platz machen für jüngere Spieler, die eine Perspektive für die WM 2006 haben“. Aber das erscheint als honorige Ausrede. „Er hatte auch seelische Schmerzen“, sagt Bayers Manager Reiner Calmund, dem sich der Mittelfeldspieler anvertraute. Ramelow will einfach nicht mehr sein, was Bayers Finanzchef Wolfgang Holzhäuser nach dem Rumänien-Spiel die „Inkarnation des Versagens“ nannte.

Schon während der WM 2002 äußerte er Rücktrittsgedanken, nachdem er im Vorrundenspiel gegen Kamerun eine Gelb-Rote Karte kassiert hatte. Damals kehrte er noch mal zurück ins Team und spielte ein gutes Finale. Im Juni 2003 wurde Ramelow wieder verantwortlich gemacht für die schlechten EM-Qualifikationsspiele auf den Färöer und in Schottland. Viele personifizierten damals den Untergang des deutschen Fußballs mit der Figur Ramelow. „Das wurde schon beleidigend“, sagte er damals, aber tröstete sich noch damit, „dass die Leute, die etwas vom Fußball verstehen, meine Leistung würdigen“. Für ihn war es letztlich ein zu schwacher Trost.

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