Sport : Randale und tödlicher Jubel

Ausschreitungen in Kairo, Unfälle in Algerien

Martin GehlenD

Kairo - „Algerier raus“, skandierten tausende aufgebrachte Ägypter vor der algerischen Botschaft. Bis in die frühen Morgenstunden attackierten sie das Gebäude mit Steinen und Feuerwerkskörpern, verbrannten unter lautem Gejohle algerische Flaggen. 15 geparkte Autos gingen in Flammen auf und mehrere Schaufenster zu Bruch – nur mit Mühe und hartem Knüppeleinsatz konnten die schwarzen Hundertschaften des Innenministeriums die Lage unter Kontrolle bringen. Elf Beamte und 24 Zivilisten wurden verletzt, seitdem ist die Umgebung um die algerische Mission weiträumig abgesperrt.

Ausgelöst wurden die Unruhen durch Schlagzeilen in der Kairoer Presse, die Übergriffe algerischer Hooligans auf ägyptische Fans beim Relegationsspiel Ägyptens gegen Algerien (1:0) in Khartum anprangerten. Zusätzlich erfuhren die Leser von Familien in Algier, die sich in den letzten Tagen Hals über Kopf per Flugzeug nach Kairo retten mussten. Die meisten sind Angestellte beim ägyptischen Konzern Orascom, dem in Algerien ein Mobilfunkanbieter gehört. 15 Läden der Kette wurden verwüstet, genauso wie zwei Niederlassungen der Fluglinie Egypt Air – der Sachschaden beläuft sich auf rund fünf Millionen Euro. Die schlimmsten Schäden in Algier aber richteten die Jubelfeiern über die gelungen WM-Qualifikation an. Bei zahlreichen Unfällen gab es 14 Tote und 250 Verletzte.

Längst haben die Spannungen zwischen Ägypten und Algerien die Politik erreicht. Die ägyptische Regierung rief seinen Botschafter aus Algerien „zu Konsultationen“ zurück und bestellte den algerischen Botschafter ins Außenministerium, um ihm „die tiefe Empörung über die Angriffe gegen seine Bürger in Khartum“ zu übermitteln. Sudan wiederum bestellte den ägyptischen Botschafter ein und protestierte gegen die „absolut übertriebene“ Berichterstattung über die Vorfälle am Rande des Spiels. Kairos Gesundheitsminister Hatem al-Gabali musste später einräumen, es seien lediglich 21 Ägypter leicht verletzt aus dem Sudan zurückgekehrt. Martin Gehlen

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