Sport : Randsportarten: Wo ist die Nische?

Heinrich Geiselberger

Vielleicht haben die Leute in Kleve oder in Meppen 1998 etwas mitbekommen von der Hockey-Weltmeisterschaft in Holland. Im Grenzgebiet haben sie womöglich den Lärm hören können, den die bis zu 20 000 Zuschauer in den ausverkauften Stadien des hockeyverrückten Nachbarlandes gemacht haben. Die Bevölkerung außerhalb des Grenzgebiets hatte diese Möglichkeit nicht. Denn im Fernsehen gab es von dem Turnier, bei dem die deutsche Herren-Mannschaft im Endspiel stand, so gut wie keine Bilder. Was für internationale Turniere gilt, gilt für das Alltagsgeschäft in der Bundesliga erst recht. Zwar hat die ARD 1999 in der Nachfolge vom Deutschen Sport-Fernsehen (DSF) die Rechte daran erworben, doch die Berichterstattung findet beinahe ausschließlich in den Dritten Programmen statt. So ist die Situation für die deutschen Hockeyspieler ähnlich wie für Fechter oder Bogenschützen: Wenn es nicht gerade bei Olympischen Spielen um Medaillen geht, wird die Sportart medial vernachlässigt.

Für die Verantwortlichen beim Deutschen Hockey Bund (DHB) ist diese Situation nicht befriedigend. Zwar sind sie froh, dass inzwischen wenigstens in den Dritten regelmäßiger über ihre Sportart berichtet wird. Ein breites Publikum wird damit jedoch nicht erreicht, und das hat Folgen. Denn nur eine hohe Medienpräsenz lockt Sponsoren. Zwar hat der Deutsche Hockey Bund mit Apollinaris und dem Ausrüster Puma zwei treue Partner. Dennoch sagt Uschi Schmitz, die Generalsekretärin des DHB: "Reich werden wir damit nicht. Wir könnten den Sponsoren zwar erzählen, dass alles besser wird, aber das wollen wir nicht. Hockey ist eben keine Sportart, die jeden Tag im Fernsehen gezeigt wird. Dafür zeichnet sich unsere Hockey-Familie eben durch andere Vorteile aus."

Kein nationales Interesse

Doch auch der Größe besagter Hockey-Familie ist die mangelnde Präsenz im Fernsehen nicht gerade zuträglich. Neue Mitglieder und Talente können nur durch persönliche Kontakte gewonnen werden, die Mitgliederzahlen des Verbandes stagnieren. Bei einer Sitzung in Stuttgart haben der Deutsche Hockey Bund und andere Sportverbände, die ähnliche Probleme haben, in diesem Frühjahr Vertreter von ARD und ZDF kritisiert und die öffentlich-rechtlichen Sender an ihre Pflicht zu umfassender Berichterstattung erinnert. Doch die wiegelten ab: Für diese Sportarten gäbe es eben kein nationales Interesse.

Dennoch schaffen es die Handballer und Basketballer, sich zumindest Nischen im Fernseh-Programm zu erobern. Gegenüber Hockey haben sie aber jeweils entscheidende Vorteile. Die Handballer zum Beispiel profitieren vor allem vom öffentlichkeitswirksamen Handballpunk Stefan Kretzschmar aus Magdeburg. Wie wichtig prominente Protagonisten sind, erlebt das einst verwöhnte deutsche Tennis seit dem Abgang von Boris Becker und Steffi Graf. Die Basketballer sind ihrem amerikanischen Vorbild gefolgt und bieten mit der Bundesliga inzwischen ein attraktives Produkt an - mit einer eingleisigen Liga und Vereinen, die vermeintlich moderne amerikanisierte Namen tragen.

Unübersichtlicher Modus

Dagegen steht sich die Feldhockeyliga mit ihrem unübersichtlichen Modus im Weg. Die Vorrunde wird in zwei Gruppen gespielt, wobei die Herren des Berliner SC mit den Münchner Klubs der Süd-Gruppe zugeordnet wurden. Die Meisterschaft beginnt im Frühjahr, im Frühsommer wird sie schon wieder wegen internationaler Turniere unterbrochen. Beim Deutschen Hockey Bund ist man sich dieser Probleme bewusst. Einen exzentrischen Star kann man zwar nicht aus dem Hut zaubern, dennoch überlegt man, ob man nicht mehrere Jungstars zu einer Hockey-Boy-Group zusammenbasteln könnte.

Auch die Präsentation wurde verbessert. Ein neuer Internetauftritt des Hockey-Verbandes und das Rahmenprogramm der Hallen-Endrunde in Berlin mit Lasershow und Cheerleadern sind die ersten Schritte. Mittelfristig soll eine Reform des Spielplans die Attraktivität des Produkts Hockey steigern. Pläne für eine eingleisige Bundesliga mit kürzerer Sommerpause sind inzwischen erarbeitet worden. Sie werden zurzeit den Vereinen vorgestellt und könnten ab 2003 umgesetzt werden.

Eine Garantie für eine größere Präsenz in den Medien ist das jedoch noch nicht. Und dass die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr ausführlich im deutschen Fernsehen zu sehen sein wird, ist noch nicht geklärt. Über die Grenze wird dieses Mal niemand lauschen können: Die WM findet in Malaysia statt.

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