Sport : Rapolders Heimsuchung

3:6 in Frankfurt ist Kölns fünfte Niederlage in Folge

Hartmut Scherzer[Frankfurt]

Das rechte Bein über das linke geschlagen, verfolgte Uwe Rapolder reglos und resignierend auf der Bank, das, wie er es später nannte, „Desaster der ersten Halbzeit“. Ein 1:4 nach den ersten 45 Minuten musste der Trainer des 1. FC Köln in der Pause des Bundesligaspiels bei Eintracht Frankfurt verarbeiten. Vier Tore in 35 Minuten – so viel hatte die Eintracht in ihren bisherigen neun Saisonspielen zusammen erzielt. Die zweite Halbzeit sah ein wenig besser aus, aber das Ergebnis blieb ernüchternd: 3:6 verlor der 1.FC Köln das Duell der Aufsteiger vor 47 800 Zuschauern in der Frankfurter WM-Arena.

Die fünfte Niederlage in Folge war nach dem 1:4 zu Hause gegen Hannover für Kölns Torhüter Stefan Wessels die zweite „Katastrophe“. Nationalspieler Lukas Podolski, der gegen den überragenden Aleksandar Vasoski keinen Zweikampf gewann, sagte: „Wenn wir so spielen, verlieren wir jedes Spiel und können schon für die Zweite Liga planen.“ Die Eintracht aber verließ die Abstiegszone, kletterte auf den 13. Rang. Ihr Trainer Friedhelm Funkel schwärmte: „Überragend. Ich habe selten ein so gutes Spiel meiner Mannschaft gesehen.“

Auf der Tribüne beobachtete Joachim Löw, der Assistent von Bundestrainer Jürgen Klinsmann, die beiden Kölner Nationalspieler, dürfte aber nur Negatives nach Kalifornien berichtet haben. Podolski war die Harmlosigkeit in Person, Lukas Sinkiewicz der Desorganisator in der Abwehr. „Das war die beste erste Halbzeit, die ich in dieser Saison gesehen habe“, sagte Löw über den Frankfurter Offensivfußball. Nach 83 Sekunden brachte Ioannis Amanatidis die Gastgeber in Führung. Die Kölner glichen durch Albert Streit zwar schon in der 5. Minute aus, doch nur drei Minuten später traf Marko Rehmer zum 2:1. Bis zur Pause trugen sich auch noch der Brasilianer Chris und Benjamin Köhler in die Torschützenliste ein.

Ein von Podolski verwandelter Handelfmeter ließ die Kölner etwas aufkommen, zumal sich die Frankfurter nach dem Tempo der ersten Halbzeit nicht mehr verausgabten. Eine echte Torchance aber hatte Köln zunächst nicht – im Gegensatz zu Frankfurt. Alexander Meier und Du-Ri Cha erhöhten auf 6:2. Özalan Alpays Kopfballtreffer machte den trostlosen Kölner Auftritt nicht mehr besser. Gesenkten Hauptes trottete Rapolder in die Kabine. Manager Andreas Rettig beeilte sich derweil zu verkünden , dass man nicht „über den Trainer diskutieren“, sondern „Ruhe bewahren“ sollte.

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