Sport : Rasant im Eiskanal, rasend vor Wut

Die Augen blitzen, die Faust ist geballt - doch Georg Hackl packte in Park City nicht nur das Goldfieber. Vor dem Angriff auf den vierten Olympiasieg in Folge holte der 35 Jahre alte Bayer zur Attacke gegen den Weltverband FIL aus und warf ihm Untätigkeit vor. "Diese Leute sitzen vorne im Flugzeug in der First Class, während wir Sportler hinten in der Holzhacker-Klasse sind. Und wenn wir ins Ziel fahren, schubsen sie unsere Betreuer zur Seite und halten ihre Köpfe in die Kamera", sagte Hackl dem Handelsblatt.

Salt Lake City 2002 Newsticker: Aktuelle Nachrichten von den XIX. Winterspielen sowie weitere Sportmeldungen Zudem sei durch den Filz in der Funktionärsriege eine optimale Vermarktung der Aktiven quasi unmöglich. "Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, bei uns passiert ja nichts. Wenn ich mal Vorschläge mache, werden sie kategorisch abgelehnt. Offenbar fürchtet man mich", meinte der dreimalige Einzel-Weltmeister weiter. Nach den glänzenden Testergebnissen war auch der sportlichen Konkurrenz teilweise die Furcht ins Gesicht geschrieben. Dabei musste Hackl ausgerechnet bei seinen letzten Spielen auf seinen langjährigen Mentor Sepp Lenz verzichten. "Zum ersten Mal ist er bei den Winterspielen nicht dabei, aber er drückt mir bestimmt die Daumen." Lenz ist daheim am Königssee noch immer Berater und guter Freund, und Freunde hatte der "Schorsch" in den vergangenen Monaten bitter nötig.

Ein schwerer Schicksalsschlag traf Georg Hackl mitten in der Vorbereitung auf Olympia, als sein Vater Georg einem Herzinfarkt erlag. Die tödliche Attacke erlitt der 62-Jährige Ende Dezember an der Bahn am Königssee, während sein Filius zur Siegerehrung des Supercups geleitet wurde. Hackl: "Meine fünfte Olympia-Teilnahme war ein Wunsch von ihm. Ich bin sicher, mein Vater schaut im Himmel zu."

Dann wurde Hackl wieder locker. "Das Nudelwasser kocht schon", verabschiedete er sich in Richtung Quartier: "Ich bin schließlich mein eigener Küchenchef." Für die Amerikaner hat Bier-Experte Hackl zwar stets ein paar lobende Worte für die Sorten der Region übrig, aber "Weißbier ist doch was anderes".

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