Sport : Rasanter Ritt nach vorn

Beim Prix de l’Arc de Triomphe in Paris gilt der deutsche Galopper Shirocco als Mitfavorit

Hartmut Moheit

Berlin - Plötzlich lahmte Shirocco. Das war vor mehr als einem Jahr, als die bis dahin sehr erfolgreiche Rennkarriere des damals vierjährigen Hengstes nach einem normalen Training abrupt abbrach. Es gab wenig Hoffnung auf ein Comeback des deutschen Derby-Siegers von 2004. Dass Shirocco unter diesem Vorzeichen nun mit dem belgischen Jockey Christophe Soumillon sogar als einer der Favoriten für den Prix de l’Arc de Triomphe 2006 gilt, grenzt schon an ein kleines Wunder. Wie gut er für dieses Rennen in Form ist, das am Sonntag um 17.30 Uhr mit acht Pferden gestartet wird, bewies er zuletzt mit seinen Sieg beim Prix Foy. War dieses Rennen noch mit 130 000 Euro dotiert, so geht es beim Prix de l’Arc de Triomphe um die neue Rekorddotierung von zwei Millionen Euro, wovon der Sieger genau 1 142 800 Millionen Euro bekommt.

Der „Deutsche Galopper des Jahres“ wird im Bois de Boulogne auf der Rennbahn Longchamp auf Hurricane Run (Jockey Kieren Fallon) treffen, den er bereits besiegt hat. Mit Spannung erwartet wird der Auftritt des Japaners Deep Impact (Yutaka Take), der erstmals auf die europäischen Stargalopper trifft und für den Premierensieg eines in Fernost trainierten Pferdes im „Arc“ sorgen könnte. Bei den Buchmachern ist der in seiner Karriere erst einmal bezwungene Deep Impact sogar Favorit.

Entscheidend für die zweite Karriere von Shirocco war im vergangenen Jahr der Trainerwechsel zu Andre Fabre nach Chantilly. „Fabre ist der beste Trainer der Welt. Er bereitet Pferde speziell auf ein Ziel vor“, sagt Züchter und Besitzer Georg Baron von Ullmann in der aktuellen „Sport-Welt“ zum Grund für den Umzug. Im Stall des achtzehnmaligen französischen Trainerchampions Fabre wurde fortan ein Ziel für den braunen Galopper ausgegeben: Start beim Prix de l’Arc de Triomphe 2005.

Fabre hatte bis dahin bereits fünf Sieger beim bedeutendsten Galopprennen in Europa gesattelt. Tatsächlich bekam er auch Shirocco wieder zum Laufen. So gut, dass der Hengst für das erste Oktoberwochenende 2005 seine Chance in Paris-Longchamp bekam. Als Vierter hinter Hurricane Run, Westerner und Bago enttäuschte er auch nicht. Shirocco hatte unter seinem Stammjockey Christophe Soumillon wieder eine große Zukunft vor sich. Knapp vier Wochen später, am Samstag, dem 29. Oktober, gelang Pferd und Reiter der ganz große Coup: Als erstes deutsches Pferd überquerte Shirocco im Belmont Park von New York beim renommierten Breeders’ Cup, der Weltmeisterschaft der Vollblüter, als Sieger die Ziellinie. Zu diesem Zeitpunkt, mit dem Erfolg im Gruppe-I-Rennen in den USA, hatte der Monsun-Sohn bereits mehr als 1,5 Millionen Euro auf seinem Erfolgskonto.

Vergessen war das Beinahekarriereende, vielmehr wurde für 2006 erneut der Prix de l’Arc de Triomphe als das ganz große Saisonziel genannt. Für den Marktwert von Shirocco ist sein Abschneiden am Sonntag nicht mehr von entscheidender Bedeutung, Japaner reißen sich bereits um ihn als Deckhengst. Wer hätte das vor dem Wechsel nach Chantilly gedacht?

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