Sport : Rasen statt reden

Motorrad-Rennfahrer Steve Jenkner hat keine Wahl: Er muss spätestens 2004 Weltmeister werden

Hartmut Moheit

Berlin. Was muss ein Motorradrennfahrer mitbringen, um Weltmeister zu werden? Einer, dessen Job es ist, mit weit über 200 km/h durch enge Kurven zu rasen. Und der nur eines kennt: dem Gegner im Kampf um jeden Millimeter seinen Willen aufzuzwingen. Ein besonders harter Typ muss er wohl sein, mit starken Nerven, risikofreudig, selbstbewusst und furchtlos. Gehört dazu auch, all diese Tugenden nach außen hin wirksam in Szene setzen zu können? Steve Jenkner, der mit einem Zweijahresvertrag im Team des diesjährigen Weltmeisters Arnaud Vincent die Chance auf den Titel bekommt, wirkt von seiner Statur und dem Auftreten her eher wie ein Eleve unter Meistern. Aber nur, solange er nicht auf seiner Aprilia sitzt und am Gasgriff dreht. „Da entscheidet sich ohnehin alles“, sagt der 26-Jährige. „Nicht reden, sondern mit Köpfchen rasen ist die Kunst.“

Derzeit, nachdem Jenkner aus Italien zurückgekehrt ist, freut sich der WM-Fünfte auf Ruhe, einfach nur ein paar Tage der Besinnlichkeit so kurz vor Weihnachten. „Es wird noch schnell genug Trubel geben“, sagt Jenkner, der sich in der Grand-Prix-Szene auf zwei Rädern seit 1997 bewegt. Das wird nicht erst am 6. April 2003 losgehen, wenn der erste WM-Lauf der neuen Saison in Suzuka ausgetragen wird. Jenkner merkt schon täglich, dass etwas anders ist. Seitdem feststeht, dass mit ihm ein Deutscher aus Sachsen auserkoren ist, Motorrad-Weltmeister zu werden, steht sein Telefon in Hohenstein-Ernstthal nicht mehr still. Zehn Jahre haben die Motorrad-Rennfans darauf warten müssen. Dirk Raudis holte zuletzt 1993 den Titel in der Viertelliter-Klasse, dem ein Ralf Waldmann danach in anderen Hubraum-Klassen vergeblich hinterher fuhr.

Nun soll es Steve Jenkner besser machen als der um keine Antwort verlegene „Waldi“ aus Ennepetal. Mehr noch: Jenkner muss Weltmeister werden – spätestens 2004. Als Nachfolger des Franzosen Arnaud Vincent im Team Exact Cycle, der in diesem Jahr in der Klasse bis 125 ccm auf einer Aprilia als Champion gefeiert wurde, kann es nur dieses eine Ziel geben. „Ich will das auch. Jahrelang hatte ich den Druck, mit guten Ergebnissen meinen Job überhaupt zu erhalten. Jetzt habe ich einen anderen Erwartungsdruck auszuhalten“, sagt er. „Was wird da anders?“ Dass er dazu in der Lage ist, trotz eines unterlegenen Motorrades mit der Spitze mithalten zu können, hat ihm den neuen Job eingebracht. 2002 erreichte er sechs Podestplätze, obwohl er nicht das beste Material und das beste Team hatte wie Weltmeister Vincent.

Das wird nun anders. Außerdem erhält Jenkner zu den Erfolgsprämien erstmals auch ein Grundgehalt. Er konnte sich selbst davon überzeugen, dass an seiner neuen Aprilia in Bologna gebaut wird, und auch davon, wie weit die Planungen für die neue Saison im Team-Stammsitz in Noale bei Venedig gediehen sind. „Ich werde zu Saisonbeginn eine der am besten betreuten Maschinen haben“, äußerte sich der Italienisch sprechende Jenkner.

In Italien glaubt man an ihn, vor allem aber in Sachsen. Am Rande des Sachsenrings sind sich alle einig: So sieht ein zukünftiger Weltmeister aus.

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