Sport : Rasen-Turniers in Halle: Nur noch Prinosil dabei - Kiefer scheitert

Überraschend hat David Prinosil in "Klein-Wimbledon" Nicolas Kiefer die Schau gestohlen. Während der Doppelspezialist aus Amberg mit einem souverän herausgespielten 6:3, 7:6 (7:3) über Nicolas Lapentti (Ecuador) erstmals in seiner Karriere das Halbfinale des Rasen-Turniers in Halle in Westfalen erreichte, scheiterte Titelverteidiger Kiefer am starken Richard Krajicek schon im Viertelfinale. Der Holländer, 1996 Wimbledon-Gewinner, bezwang den Deutschen, der nach seiner Fußverletzung insgesamt neun Wochen pausiert hatte, auch dank seiner 25 Asse mit 7:5, 5:7, 7:6 (7:3). "Mein Spiel auf Rasen ist trotz der langen Pause in Ordnung", machte sich Kiefer weiter Mut.

Auch Prinosil, der Anfang des Jahres am Fuß operiert worden war, scheint rechtzeitig vor dem Wimbledon-Turnier vom 26. Juni bis 9. Juli wieder in Form zu kommen. Am Samstag (13.00/ZDF) kämpft der 27- Jährige im schmucken Gerry-Weber-Stadion gegen den zweimaligen Halle-Gewinner Jewgeni Kafelnikow (Russland), der Nicolas Escude (Frankreich) mit 7:6 (11:9), 6:3 ausschaltete, um den Einzug ins Endspiel am Sonntag. "Es ist mir völlig egal, wer auf der anderen Seite steht. Wenn ich gut spiele, kann ich jeden schlagen", sagte Prinosil und demonstrierte sein wieder gefundenes Selbstbewusstsein. Krajicek bekommt es mit dem Gewinner der Partie zwischen dem jungen Schweizer Roger Federer und dem US-Veteranen Michael Chang zu tun.

Nach den vielen Enttäuschungen in den ersten Monaten des Jahres, als Prinosil von seinen neun Tennis-Matches nur ein einziges gewonnen hatte, tankt er bei Deutschlands einzigem Rasen-Turnier wieder Selbstvertrauen. Der Amberger, der vor vier Jahren bis auf Platz 37 der Weltrangliste geklettert war, zeigte gegen den auf dem schnellen Grün nicht gerade vom Erfolg verwöhnten Lapentti eine ordentliche Leistung. "Die harte Arbeit hat sich gelohnt", freute er sich.

Auch Kiefer spielte vor 12 000 Zuschauern wahrlich nicht schlecht auf. Doch der 1,96 m große Krajicek, der in der Weltrangliste nach seiner Knieoperation nur auf Platz 70 eingestuft ist, hatte das Glück des Tüchtigen auf seiner Seite. In einem auf des Messers Schneide stehenden Spiel gelang dem Niederländer erst im Tie-Break der dritte Sieg im fünften Match gegen Kiefer. "Das war ein sehr knappes Match. Leider kann es nur einen Sieger geben. Wir haben beide exzellentes Tennis gespielt", so Kiefer. "Der Glücklichere hat gewonnen", meinte Daviscup-Teamchef Carl-Uwe Steeb.

Viel Spaß hatte Wildcard-Spieler Prinosil. Ein Doppelfehler von Lapentti bescherte ihm das Break zum 3:2. Danach gaben beide Spieler ihren Aufschlag nicht mehr ab. Im Tie-Break hatte der Amberger dann die besseren Nerven. Ziemlich genau vor zwölf Monaten war er in Nottingham, ebenfalls auf Rasen, letztmals in die Runde der letzten vier eingezogen. Überhaupt ist Prinosil kein schlechter Rasenspieler: Einen seiner zwei Turnier-Siege auf der ATP-Tour hatte er vor fünf Jahren in Newport geschafft.

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